Chat mit Wien Anders und GfW: Integration im Park und Gratiskondome

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Die Spitzenkandidaten der zwei Kleinparteien antworteten im STANDARD-Chat auf Userfragen


Wien – Steuerfreiheit im ersten Jahr der Betriebsgründung und Entlastung bei den Lohnnebenkosten: Diese Forderungen zur Unterstützung von Jungunternehmern stellte der Spitzenkandidat der Kleinpartei Gemeinsam für Wien (GfW) Turgay Taskiran am Mittwoch im STANDARD-Chat. Er beantwortete gemeinsam mit der Spitzenkandidatin von Wien anders (Andas), Juliana Okropiridse, Userfragen.

Eine Koalition mit der FPÖ würde der Simmeringer Arzt mit türkischen Wurzeln nicht ausschließen, er glaube aber nicht, dass es eine Basis für eine Zusammenarbeit gibt: "Man muss einmal miteinander reden."

Begegnungszonen

Beim Thema Integration sprach er sich für "Begegnungszonen in Parks" aus, um dort die Kommunikation zwischen Zuwanderern und Einheimischen zu fördern.

Auf eine Userfrage, was er vom türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan halte, antwortete Taskiran: "Es gab viele Fortschritte in den Bereichen Gesundheit, Verkehr und Menschenrechte, aber sein Umgang mit den Gezi-Park-Protesten und der Medienfreiheit waren nicht okay."

Ein User fragte, ob Taskiran den Völkermord an den Armeniern verurteile. Taskiran: "Ob es ein Völkermord war, muss von Historikern beantwortet werden. Die Ereignisse im Ersten Weltkrieg sind sehr bedauernswert. Wenn es eine systematische Verfolgung gab, ist diese auf das Schärfste zu verurteilen."

Zum Thema Homo-Ehe sagte der Spitzenkandidat: "Ich befürworte die gleichgeschlechtliche Partnerschaft. Ehe ist für mich eine Bindung zwischen Mann und Frau."

Unter den Teppich

Okropiridse, die das Bündnis aus Piratenpartei, KPÖ, Initiative Echt Grün, Junge Linke und Plattform der Unabhängigen anführt, kritisierte, dass die Grünen immer weiter in die Mitte gerutscht seien. Wien anders wolle sich "ganz klar links davon" positionieren.

Warum es in Österreich nicht wie etwa in Spanien oder Griechenland zu einer linkspopulistischen Bewegung komme, habe damit zu tun, dass hier "prekäre Lebenssituationen unter den Teppich gekehrt" würden. Die Linken seien außerdem "nicht geübt im Populismus", so Okropiridse. Komplizierte Sachverhalte verständlich zu vermitteln, müssten die Linken noch üben.

30-Stunden-Woche

Der Arbeitslosigkeit soll mit der Einführung einer 30-Stunden-Woche begegnet werden. Diese würde die Menschen entlasten und Arbeitsplätze schaffen. "An Menschenrechten und Existenzsicherung darf nicht gespart werden", antwortete Okropiridse auf eine Frage bezüglich des Schuldenstands der Stadt. Und: "Ihnen persönlich wird dadurch ja nichts weggenommen. Im internationalen Vergleich stehen wir nicht schlecht da."

User "Rüdiger_S" wollte wissen, ob Andas eine rot-grüne Koalition stützen würde, sofern diese keine Mehrheit hätte. Okropiridse: "Das ist die einzige Konstellation, die wir stützen würden."

Die Physikstudentin sprach sich außerdem für "ein veganes Gericht pro Tag" in öffentlichen Gastronomiebetrieben, kostenlose Kondome in öffentlichen Einrichtungen sowie Abtreibung auf Krankenschein aus.

Nachlese

Die Spitzenkandidaten von SPÖ, ÖVP, Neos und Grünen waren bereits zu Gast. Die Antworten auf Userfragen von Bürgermeister Michael Häupl, Manfred Juraczka, Beate Meinl-Reisinger und Maria Vassilakou können Sie nachlesen. Mit FPÖ-Spitzenkandidat Heinz-Christian Strache sowie mit Heinz Pollischansky von der Liste Wir wollen Wahlfreiheit (WWW) wird es keinen Chat vor der Wahl geben: Beide sagten dem STANDARD ab. (cmi, rwh, 7.10.2015)