Presserat-Chat: "Wir arbeiten nicht mit dem Holzhammer"

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Vor dem fünfjährigen Jubiläum beantworteten Alexander Warzilek und Andreas Koller vom Presserat Fragen zu aktuellen Fällen – Das Protokoll zur Nachlese


Wien – In Deutschland wurde die "Bild"-Zeitung zu einer Entschädigungszahlung von 635.000 Euro verurteilt, weil sie Jörg Kachelmanns Persönlichkeitsrechte mit der Berichten zum Vergewaltigungsprozess schwer verletzte. Eine Summe, die in Österreich bei Mediendelikten undenkbar ist.

Ob sie erhöht werden soll, wollte ein User im derStandard.at-Chat zu fünf Jahre Presserat wissen. "Ich schlage vor, die Höchstgrenzen für die Entschädigungen im Mediengesetz zu streichen", sagt dazu Alexander Warzilek, Geschäftsführer des Presserats. Bei schweren Delikten stehen dem Kläger maximal 20.000 Euro zu.

Gegen Strafen, die "Medien in ihrer Existenz gefährden", spricht sich Andreas Koller, Senatssprecher des Presserats und Innenpolitikchef der Salzburger Nachrichten, aus. Dass der Presserat ein zahnloses Gremium sei, wie von einem User moniert, glaubt Warzilek keineswegs. Entscheidungen würden sehr wohl wahrgenommen, aber: "Wir arbeiten mit der ‚feinen Klinge‘ und nicht mit dem ‚Holzhammer‘".

In den letzten fünf Jahren hat das Selbstkontrollorgan der Presse über 800 Fälle bearbeitet. In rund zehn Prozent wurden Ethikverstöße konstatiert. Jüngst bei Berichten über die Ermordung von Gefangenen durch die Terrormiliz IS. Österreich und Kronen Zeitung hatten Online Bild- und Videomaterial von Gefangenen kurz vor ihrer Exekution gezeigt. Sein fünfjähriges Bestehen feiert der Presserat von 7. bis 9. Oktober mit einem Kongress in Wien. (omark, 1.10.2015)