Ausschreitungen an serbisch-ungarischer Grenze

Livebericht

Innenministerium kündigt Grenzkontrollen an slowenischer Grenze an – Kontrollen in Nickelsdorf unterbrochen

Kroatien und Slowenien wollen offenbar ankommende Flüchtlinge nach Österreich und Deutschland weiterreisen lassen. Der kroatische Innenminister Ranko Ostojić habe mit seiner slowenischen Amtskollegin Vesna Györkös Žnidar gesprochen, teilte die kroatische Regierung am Mittwoch auf Twitter mit: "Wenn es nötig ist, werden wir Korridore errichten." In Kroatien sind nach Angaben des Innenministers im Lauf des Vormittags 277 Flüchtlinge aus Serbien eingetroffen. Kroatien will sie weiterreisen lassen, wie Premier Zoran Milanović vor dem Parlament sagte. "Es ist offensichtlich, dass diese Menschen nicht in Kroatien bleiben wollen."

Kroatien will bei Durchreise helfen

Kroatiens Polizei bestätigte Mittwochfrüh, dass erste Flüchtlinge die serbisch-kroatische Grenze überquert haben. Laut Augenzeugen versuchten sie in den Nachtstunden in Ostkroatien am Grenzübergang Tovarnik/Sid vorbei einzureisen, um der Registrierung auszuweichen. Die kroatische Polizei griff die Flüchtlinge in den umliegenden Maisfeldern auf. "Sie werden Kroatien durchqueren können, und wir werden ihnen dabei helfen", sagte Milanović.

In Tovarnik trafen unterdessen ständig Polizeifahrzeuge mit neuen Flüchtlingen ein, berichteten lokale Medien. Es handle sich vorwiegend um Syrer und Afghanen, darunter zahlreiche Frauen und Kinder. Auch Rettungsdienste und das Rote Kreuz seien bereits im Einsatz.

Das Innenministerium in Wien kündigte daraufhin an, noch am Mittwoch Kontrollen an der österreichisch-slowenischen Grenze durchzuführen.

Grenzkontrolle in Nickelsdorf aufgehoben

Die Grenzkontrolle im burgenländischen Nickelsdorf ist am Mittwoch bereits nach wenigen Stunden unterbrochen worden. Der Einsatz könnte aber im Laufe des Tages wieder fortgesetzt werden, erklärte die Polizei. Bereits zuvor hatte es geheißen, dass man flexibel auf die Situation reagieren werde.

Österreich hatte Mittwochfrüh wegen der Flüchtlingskrise mit Grenzkontrollen begonnen. Ab sieben Uhr kontrollierte die Polizei zunächst an den burgenländischen Grenzübergängen Nickelsdorf, Deutschkreutz und Schachendorf. Der Flüchtlingszustrom war schon in der Nacht deutlich abgeebbt, es gab rund 100 Aufgriffe.

Keine Züge von Salzburg nach Deutschland

Auf dem Salzburger Bahnhof halten sich derzeit rund 2.000 Flüchtlinge auf, hieß es am Mittwoch vonseiten der Stadt. Im Moment würden weiterhin keine Züge nach Deutschland fahren. Dienstagnachmittag stand bereits die Schließung des Salzburger Hauptbahnhofs im Raum. "Die ÖBB als Eigentümer müssen die Sicherheit gewährleisten. Wenn sie dies nicht können, dann müssen sie den Bahnhof schließen", sagte Christian Blaschke, Sprecher des Landes Salzburg. Stadt, Land und die Einsatzkräfte würden aber alles daransetzen, den Bahnhof Salzburg als Drehscheibe funktionsfähig zu halten.

"Positive Räumung" am West- und Hauptbahnhof

Entspannt hat sich die Lage auch am Westbahnhof und am Hauptbahnhof in Wien, wo am Dienstagabend noch mehr als 5.000 Flüchtlinge ausgeharrt hatten. Fast alle wurden in der Nacht weggebracht, nur noch jeweils 150 Personen befanden sich laut einem ÖBB-Sprecher Mittwochfrüh dort. "Es war eine positive Räumung. Der Großteil ist geordnet in Quartiere gebracht worden", sagte der Sprecher.

Die Flüchtlinge wurden unter anderem in das Ferry-Dusika-Stadion gebracht, sagte ein Sprecher des Wiener Flüchtlingskoordinators Peter Hacker. Insgesamt hätten 5.400 Flüchtlinge die Nacht in Wiener Quartieren verbracht. Es gebe aber noch einen Puffer, um weitere Flüchtlinge aufzunehmen. Derzeit habe man nämlich 8.000 Betten in Wien verfügbar, hieß es. (red, 16.9.2015)