ÖVP-Chef Juraczka im Chat: "Von Stenzel bin ich menschlich enttäuscht"

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Der ÖVP-Spitzenkandidat für die Wien-Wahl stellte sich Ihren Fragen


Wien – Könnte Manfred Juraczka nach der Wiener Gemeinderatswahl am 11. Oktober den Königsmacher geben und zur Koalitionsbildung beitragen, dann würde er dieses politische Gewicht grundsätzlich niemandem verweigern. Das sagte der Obmann und Spitzenkandidat der ÖVP Wien im Chat mit derStandard.at-Usern am Dienstag. "Wir haben immer festgehalten, dass eine Koalition keine Liebesheirat ist und es unserem demokratischen Selbstverständnis entspricht, mit allen Parteien zu sprechen", antwortete Juraczka auf die Frage nach mutmaßlichen Präferenzen für eine blau-schwarze Stadtregierung.

Auch Gespräche mit seiner früheren Parteikollegin Ursula Stenzel, die als "unabhängige" Kandidatin zur FPÖ übergelaufen ist, schließt Juraczka nicht aus. Mit dem Nachsatz, dass er von der Bezirksvorsteherin der Inneren Stadt "menschlich enttäuscht" sei. Die Neos bezeichnete Juraczka als "Populismuspartei für Bildungsbürger".

"Autofahrerschikanen" und "Milliardengrab"

Sachpolitisch schoss sich Juraczka mehrmals auf die in seinen Augen gescheiterte Verkehrspolitik und die "Autofahrerschikanen" in Wien ein. Den Umbau der Mariahilfer Straße bezeichnete er als "Skandal", habe Maria Vassilakou (Grüne) als Stadträtin für Bürgerbeteiligung doch nur das ihr genehme Ergebnis einer Anrainerbefragung umgesetzt. Die Wiener-Linien-Jahreskarte um 365 Euro sei prinzipiell zu begrüßen, so Juraczka. Den für den Bilanzausgleich notwendigen Zuschuss von 700 Millionen Euro pro Jahr dürfe man aber nicht verschweigen.

Auch in der Flüchtlingsfrage ist Juraczka bei Bürgermeister Häupl (SPÖ): "Wien alleine kann den Flüchtlingsstrom nicht bewältigen. Dass Häupl den Menschen vor Ort eine menschenwürdige Behandlung gibt, ist absolut korrekt." In der Bildungspolitik erteilte Juraczka der Gesamtschule und einem verpflichtenden zweiten Kindergartenjahr eine Absage. Weiters sprach sich der Landesparteichef für eine Stärkung des Wirtschaftsstandorts Wien und mehr Stadtbildpflege aus. Das Krankenhaus Nord könne wie der Berliner Flughafen zum "Milliardengrab" werden, so Juraczka.

Warum man ihn nun wählen sollte? "Ich bin für all jene eine Option, denen der Arbeitsmarkt wichtiger ist, als Ampelpärchen." (mcmt)