EU-Parlament beschließt Flüchtlingsaufteilung

Livebericht

Tausende durchqueren Österreich auf Weg nach Westen

Wien – Aufgrund "massiver Überlastung" hat die ÖBB am Donnerstag den Zugverkehr zwischen Österreich und Ungarn vorübergehend eingestellt. Betroffen waren laut einer Aussendung sowohl die Railjet-Verbindung auf der Strecke Wien–Budapest als auch grenzüberschreitende Regionalzüge.

In Nickelsdorf und Wien trafen am Donnerstag erneut mehrere tausend Flüchtlinge ein. Das EU-Parlament stimmte indes für den Plan von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker zur Verteilung von 160.000 Flüchtlingen aus Italien, Griechenland und Ungarn auf alle EU-Staaten. Eine breite Mehrheit von 432 Abgeordneten sprach sich dafür das, 142 waren dagegen, 57 enthielten sich.

Tausende Flüchtlinge in Nickelsdorf

3.700 Flüchtlinge kamen in der Nacht auf Donnerstag im burgenländischen Grenzort Nickelsdorf an und versuchten von dort weiter nach Westen zu gelangen. Zwar erreichten rund 2.500 den Wiener Westbahnhof, weil aber aus Ungarn neue Gruppen dazukamen, befanden sich am Nachmittag wiederum 3.000 Flüchtlinge an der Grenze.

Obwohl am Wiener Westbahnhof mehr Menschen ankamen als abfuhren, wird es vorerst keine Sonderzüge der ÖBB nach Deutschland geben. "Wir tun unser Möglichstes, aber das Möglichste reicht nicht mehr", sagte ÖBB-Sprecher Michael Braun der APA. Man sei nun an die Grenzen gestoßen. In die regulären Züge nach Deutschland dürfen derzeit nur begrenzt Flüchtlinge einsteigen – je nach verfügbaren Plätzen. Das System sei "komplett überlastet", so Braun.

Sicherheitsrisiko zu groß

Der Zugverkehr zwischen Ungarn und Österreich habe eingestellt werden müssen, weil das Sicherheitsrisiko zu groß gewesen sei. Die aus Ungarn kommenden Züge seien "so dermaßen überfüllt, dass wir sie auf keinen Fall weiterfahren lassen können. In Österreich dürfte so ein Zug den Bahnhof gar nicht verlassen", erklärte Braun. Zum weiteren Vorgehen sollte am Nachmittag erneut ein Krisenstab im Innenministerium tagen.

Auch nach München hielt der Zustrom von Flüchtlingen an: Am Donnerstag trafen bis zum Vormittag am Hauptbahnhof rund 1.300 Flüchtlinge ein, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtete. Für den gesamten Donnerstag rechnete die Regierung von Oberbayern mit bis zu 6.000 Flüchtlingen. (APA, red, 10.9.2015)