Glawischnig: NGOs sollen Traiskirchen verwalten

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Die Bundessprecherin der Grünen stellte sich den Fragen von ORF-Innenpolitikchef Hans Bürger


Wien – Grünen-Chefin Eva Glawischnig hat Montagabend im ORF-"Sommergespräch" die Forderung bekräftigt, die Verwaltung des Erstaufnahmezentrums Traiskirchen "Profis" wie dem Roten Kreuz, der Caritas oder der Diakonie zu übertragen. Sie wies das "Klischee" zurück, die Grünen würden sich nur um Lebensstil-Themen kümmern und zeigte sich "besorgt" angesichts der guten Umfragewerte für die FPÖ.

Die Unterbringung der vielen Kriegsflüchtlinge sei "für alle eine große Herausforderung", unterstrich Glawischnig die Bemühungen Grüner Landesrätinnen in Salzburg und Tirol für eine menschenwürdige Unterbringung – während die Freiheitlichen diese Arbeit "nur schwer machen". Vorübergehend werde es nötig sein, "mehr Geld in die Hand zu nehmen" – und in Traiskirchen sei es "Teil des Problems", dass ein privates Unternehmen, das auch gewinnorientiert agiert, mit der Verwaltung betraut wurde.

Keine Besserwisser

Den Vorhalt, die Grünen würden von vielen als Besserwisserpartei gesehen, die nur Akademiker anspreche und Vorschriften mache, wies Glawischnig zurück: Vieles von dem, was ihre Partei vertrete, wolle auch die "breite Mehrheit der Bevölkerung". So z.B. Maßnahmen gegen den Klimawandel, seien doch derzeit viele schockiert über die hohen Temperaturen. Die Grünen hätten "sehr klare Vorstellungen", wie man Österreich organisieren müsste – in Sachen Arbeitsmarkt, Abhängigkeit vom Erdöl oder besseres Bildungssystem. Die Regierung hingegen verharre "in Hitzestarre", zeigte sie sich beim Thema Arbeitsmarkt angriffig.

"Eigentlich zufrieden" ist Glawischnig mit der Entwicklung ihrer Partei – habe es doch bei den 14 letzten Wahlen Zuwächse gegeben. Wichtig ist ihr, dass dieser Vertrauenszuwachs "nachhaltig" ist – und nicht bei einer Regierungsbeteiligung wieder schwinde, wie bei der FPÖ. Deren gute Umfragewerte machen sie "besorgt". Denn die FPÖ sei "eine Partei mit Korruptionshintergrund" und man habe mit Hypo-Alpe-Adria in Kärnten und Schwarz-Blau im Bund erlebt, was blaues (Mit-)Regieren bedeute. Dass Grüne es besser könnten, könne man an den guten Wirtschaftsdaten Oberösterreichs sehen: "Öko-Arbeitsplätze versus Hypo-Alpe-Adria, da kann man schon einen Unterschied erkennen."

Kein Bier mit Strache

Mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache würde Glawischnig übrigens unter keinen Umständen auf ein Bier gehen. Ihr Vorgänger als Parteichef, Alexander Van der Bellen, hat sich noch nicht entschieden, ob er als Grüner Präsidentschaftskandidat zur Verfügung steht. Glawischnig will ihn "in Ruhe überlegen" lassen. Sollte er nicht antreten, tendiert sie dazu, einen anderen Kandidaten zu finden – denn es werde wohl "von den Grünen erwartet, eine Alternative zu Pröll oder wem auch immer anzubieten". Sie selbst fühle sich aber in ihrer Position "sehr gut aufgehoben" und werde zu Jahresende wieder als Bundessprecherin kandidieren. (APA, 9.8.2015)