Sundt: "Kenne Mensdorff nur aus Medien"

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Ehemaliger Telekom-Vorstandsvorsitzender sagte zur Zahlung an Lobbyisten Mensdorff-Pouilly aus – derStandard.at berichtete live


Wien – Am sechsten Verhandlungstag im Untreueprozess gegen den ehemaligen Telekom-Vorstand Rudolf Fischer und den Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly wurde am Freitag der ehemalige Telekom-Vorstandsvorsitzende Heinz Sundt befragt. Auch ein ehemaliger Motorola-Berater war als Zeuge geladen.

Mensdorff kenne er "nur aus den Medien", sagte Sundt aus. "Wir hatten nie persönlich zu tun, wir hatten nie Kontakt, auch nicht telefonischer Art." Viel konnte der ehemalige Vorstandsvorsitzende zum Verfahren nicht beitragen, bereits nach rund zehn Minuten war die Befragung vorbei.

Sundt war zu dem Zeitpunkt im Amt, als sich Fischer laut eigenen Angaben von Mensdorff-Pouilly beraten ließ. Die Telekom hat dem Lobbyisten 1,1 Millionen Euro bezahlt. Die Staatsanwaltschaft hat keine Gegenleistungen gefunden und deshalb Fischer wegen Untreue und Mensdorff-Pouilly wegen Beitragstäterschaft zur Untreue angeklagt. Die beiden bestreiten die Vorwürfe. Der Lobbyist habe Fischer beim Ausstieg der Telekom aus dem Konsortium Tetron, das sich für die Neuausschreibung des Blaulichtfunks beworben hatte, und zu möglichen Unternehmensübernahmen in Osteuropa beraten.

4,4 Millionen Euro geflossen

Der Hintergrund zur Causa Tetron: Das Innenministerium unter Ernst Strasser (ÖVP) hatte 2003 den Auftrag für die Digitalisierung des Blaulichtfunks neu ausgeschrieben. Das Tetron-Konsortium aus Alcatel und Motorola mit der Telekom als Subunternehmerin bekam den Zuschlag. Bei allen drei Unternehmen stand Mensdorff-Pouilly auf der Payroll. Insgesamt sollen über mehrere Jahre hinweg 4,4 Millionen Euro geflossen sein. Die Staatsanwaltschaft vermutet eine Bestechungsaffäre, kann das bisher aber nicht beweisen. (red, 3.7.2015)