Nemsic als Zeuge im Tetron-Prozess

Livebericht

Am dritten Verhandlungstag gegen Mensdorff-Pouilly und Fischer war der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Telekom als Zeuge geladen. Nach einer Stunde war die Runde vorbei

Wien – Im Tetron-Prozess gegen den Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly und den ehemaligen Telekom-Vorstand Rudolf Fischer sagte am Montag der Ex-Vorstandsvorsitzende der TA, Boris Nemsic, aus.

Nemsic war im Amt, als der Vertrag zwischen Mensdorff-Pouilly von der Telekom abgeschlossen wurde, der dem Lobbyisten 1,1 Millionen Euro sicherte. Die Staatsanwaltschaft hat keine Gegenleistungen für das Geld gefunden und Fischer und Mensdorff-Pouilly deshalb wegen Untreue und Beitragstäterschaft zur Untreue angeklagt. Die beiden Angeklagten bestreiten die Vorwürfe und geben an, dass Mensdorff-Pouilly für das Geld Beratungen rund um das Konsortium Tetron sowie über mögliche Akquirierungen in Südosteuropa geleistet hat.

Keine Wahrnehmungen zu Mensdorff

Nemsic sagte im Zeugenstand aus, dass er keine Wahrnehmungen zur Zahlung an Alfons Mensdorff-Pouilly habe. Kronzeuge und Ex-Telekom-Vorstand Gernot Schieszler hatte am Donnerstag ausgesagt, dass er Nemsic von einer offenen Rechnung an Mensdorff-Pouilly informiert habe. "Er hat den Kopf geschüttelt und ist weggegangen", sagte Schieszler. Er könne sich daran nicht erinnern, sagte Nemsic. Er könne nichts von der Zahlung an Mensdorff-Pouilly gewusst haben, weil er damals an keiner operativen Entscheidung beteiligt gewesen war, da er kurz darauf aus dem Unternehmen ausschied.

Zu der Tatsache, dass Mensdorff-Pouilly erst Jahre nach seinen Beratungen rund um Tetron und Südosteuropa von der Telekom bezahlt wurde, sagte Nemsic, dass es durchaus üblich sei, Berater erst später zu bezahlen, wenn die Informationen nützlich gewesen seien. "Ein Investmentbanker hat 90 Prozent Leerlauf."

Zu möglichen Unternehmensübernahmen in Osteuropa sagte Nemsic, dass die Telekom vor allem im Mobilbereich ausbauen wollte und nicht im Festnetzbereich. "Das war die Strategie." Es sei aber durchaus möglich, dass man sich im Festnetzbereich nach Unternehmen umgeschaut habe, die man übernehmen könnte.

Beratung "normal"

Er selbst habe keine Beratung zu Osteuropa gebraucht, weil er viele Kontakte dorthin habe und die Sprache spreche. Es sei aber normal, dass man sich von Leuten beraten lässt, die Kontakte und Netzwerke in dem Land haben. "Keiner ist so gescheit, dass er alles alleine machen kann."

In der Causa Tetron geht es um die Neuvergabe des Blaulichtfunks durch den damaligen Innenminister Ernst Strasser (ÖVP). Schmiergeldverdacht steht im Raum. Lobbyist Mensdorff-Pouilly soll über mehrere Jahre hinweg insgesamt 4,4 Millionen Euro von Alcatel, Motorola und Telekom kassiert haben. Die genannten Unternehmen mit ihrem Konsortium Tetron hatten den Auftrag bekommen. Dem ursprünglich siegreichen Konsortium "mastertalk" wurden später 30 Millionen Euro Schadenersatz auf Steuerzahlerkosten gezahlt. (red, 29.6.2015)