Redezeit als Geschenk und Konkurs im Kopf

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Hypo-Controller Bojan Grilc hat sich über den Zustand der Hypo schon lange seine Gedanken gemacht, derzeit wird Hans-Dieter Kerstnig befragt


Wien – Der Hypo-U-Ausschuss ist seit zehn Uhr wieder in Gange. Befragt wurde als erstes Bojan Grilc - früherer Controller in der Consultants-Holding der Hypo und später auch in der Kärntner Landesholding. Jetzt ist Hans-Dieter Kerstnig, derzeit Prokurist bei der Heta am Wort.

Grilc hat zu Beginn seiner Befragung gemeint, seine persönliche Ansicht 2009 sei gewesen, dass der Hypo ein Konkurs ins Haus stehe. Den Vorschlag habe er schon weit vorher, "meine Analyse war schon im 2006er-Jahr", genannt.

Hans-Dieter Kerstnig, Ex-Langzeit-Leiter der Internen Revision der früheren Hypo sagt heute wie schon im Kärntner Hypo-U-Ausschuss vor fünf Jahren, dass es schon 2002 Feststellungen zum mangelhaften Risikomanagementsystem in der Skandalbank gab. Das habe vor allem für den Treasury-Bereich gegolten, die Bank habe auch gehandelt.

Kerstnig sagte, die Nachfolgegesellschaft der Bank, die Heta, habe ihn von der Verschwiegenheitspflicht befreit. "Aber mit der Einschränkung, die in jenen Bereichen deutlich gegeben ist, nicht für jene Bereiche, die mit momentanen Verkaufsprozessen oder sonstigen laufenden Verfahren zusammenhängen."

Aktenschwärzungen

Der Verfassungsgerichtshof (VfGH) setzt sich übrigens auch in seiner am Donnerstag beginnenden Sommersession mit Anträgen in Zusammenhang mit dem Hypo-Untersuchungsausschuss auseinander. Vorrangig geht es um Aktenschwärzungen, eine erste Entscheidung soll Ende Juni vorliegen. Wann alle Verfahren abgeschlossen sein werden, lasse sich derzeit nicht sagen, hieß es am Mittwoch.

Auch der Donnerstag bringt einen Verhandlungstag im Hypo-U-Ausschuss. Auskunftspersonen sind der Wirtschaftsprüfer Erich Kandler und OeNB-Bankenprüfer Peter Mayerhofer.

Der Hypo-Untersuchungsausschuss hat in den bisher 14 Sitzungen 23 Zeugen befragt, die reine Befragungszeit betrug 70 Stunden. Die Fragen in der abgelaufenen Woche drehten sich um die Kärntner Landeshaftungen für die Hypo.

Im Onlinesystem des Parlaments hat sich mittlerweile mit rund eine Million Seiten an Akten und Unterlagen zum Untersuchungsgegenstand ein hübsches Sümmchen zusammengefunden. Einzusehen für die Mitglieder des Ausschusses. (red, 10.6.2015)