Hofinger: "Landeshauptleute haben FPÖ gestärkt"

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Wahlforscher Hofinger: Wer "Strafen für Integrationsverweigerer" fordert, stimmt der FPÖ in ihrer Diagnose zu


Nach den geschlagenen Wahlen in der Steiermark und im Burgenland beantwortete Wahlforscher Christoph Hofinger vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Sora Fragen der User und Userinnen im derStandard.at-Chat.

Gefragt, ob "die Asylfrage" sowie die umstrittene Arbeitsmarktpolitik im Bund zum Wahlerfolg der FPÖ entscheidend beigetragen haben – Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) bot diese Analyse am Wahlabend –, sagte Hofinger: "Arbeitsmarkt ist wichtig, vor allem, dass die WählerInnen Hoffnung auf eine Trendwende haben. Außerdem ist es seit langem in Österreich so, dass die Menschen das Gefühl haben, unsere Nachbarn hängen uns ab. Das Asylthema an sich ist es nicht. Sondern in erster Linie die verunglückte Kommunikation."

"Elitenprotest"

Über Franz Voves' (SPÖ) und Niessls Wahlkampfstrategie, mit FPÖ-affinen Themen punkten zu wollen, sagte Hofinger: "Wer 'Strafen für Integrationsverweigerer' fordert, stimmt der FPÖ in ihrer Diagnose zu, dass dies häufig vorsätzlich passiert, und dass Strenge das Mittel der Wahl ist. Die Landeshauptleute wollten dadurch ihre Flanke schützen, in Wirklichkeit haben sie dadurch die FPÖ gestärkt."

Das vergleichsweise schlechte Abschneiden der Kleinparteien in der Steiermark erklärte Hofinger so: "Die steirische Wahl war auch eine Abstimmung zwischen Elitenakzeptanz und Elitenprotest. Diesen hat die FPÖ zugespitzt formuliert, die anderen Oppositionsparteien haben sich da schwergetan."

Hypo und Neos

Das Scheitern der Neos sei problematisch, weil deren Markenkern "Hoffnung" sei. Er vermutet, dass die Neos den Einzug auch in Oberösterreich verpassen werden, in Wien könnten es die Pinken "knapp" schaffen.

Das Hypodebakel hat laut Hofinger auf diesen Wahlgang keinen Einfluss gehabt. "Das Hypo-Thema wird im Moment undurchschaubar, eine klare Geschichte, wer die Rolle des Schuldigen hat, ist trotz – oder auch wegen – des Untersuchungsausschusses nicht sichtbar." (red, 1.6.2015)