Westenthaler-Prozess: "Ich dachte: Da ist das Projekt, wo Geld fließt"

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Westenthalers Nachfolger im Bundesliga-Vorstand wurde zur umstrittenen Förderung befragt


Am Dienstag wurde am Landesgericht Wien der Prozess gegen den früheren BZÖ-Obmann Peter Westenthaler fortgesetzt. Unter anderem wurde der frühere Sport-Staatssekretär unter Schwarz-Blau, Karl Schweitzer (FPÖ, später BZÖ), als Zeuge befragt.

Ein Aktenvermerk, wonach Fördergelder des Bundes für den Fußballnachwuchs zweckwidrig verwendet worden sein sollen, stand im Mittelpunkt des Verfahrens. Als Zeugen wurden zwei frühere Bundesliga-Vorstandsmitglieder befragt, die laut eigener Aussage den Akt unterschrieben hatten, ohne dessen Inhalt zu kennen.

Aktenvermerk im guten Glauben unterschrieben

Sowohl Georg Pangl, im Jahr 2004 Vorstandsvorsitzender der Bundesliga, als auch sein Stellvertreter Thomas Rueff-Zlabinger beteuerten im Beweisverfahren vor dem Schöffensenat, den Aktenvermerk im guten Glauben unterschrieben zu haben. Es sei einer dieser Arbeitstage gewesen, wo man unzählige Ordnermappen vorgelegt bekommen habe, so Pangl, darunter habe sich auch der Aktenvermerk befunden.

Pangl schloss auf die Frage des Richters auch nicht aus, dass der Aktenvermerk auf den 1. September 2004 rückdatiert worden sein könnte. "Ich habe vollstes Vertrauen in die Buchhaltung gehabt", meinte er auch dazu. Als Verfasser des Vermerks nannte Pangl Bundesliga-Finanzvorstand Reinhard Herovits. Auf die Frage des Richters, warum dieser den Vermerk eigentlich nicht selbst unterschrieben habe, meinte Pangl: "Die Frage habe ich mir damals auch gestellt."

"Ich war ausschließlich für den Spielbetrieb zuständig", distanzierte sich auch Rueff-Zlabinger vom von ihm mitunterzeichneten Aktenvermerk. Und auch mit Westenthaler habe es darum "wenig Überschneidungspunkte" gegeben, "außer wenn es die Zuschauerstatistiken betrifft".

Herovits bestreitet Verantwortung für Aktenvermerk

Herovits selbst bestritt, den Aktenvermerk zur zweckwidrigen Verwendung der Fördergelder verfasst zu haben. Dass dieser auf seinem damaligen PC erstellt wurde, könne daran liegen, dass zur besagten Zeit ein Bürowechsel stattgefunden habe und die Geräte von mehreren Personen verwendet worden seien. Herovits konnte sich auch nicht erklären, warum die Fördermillion zur Deckung der Schulden umgewidmet worden sei. Ebenso wenig, warum ausgerechnet Pangl und Rueff-Zlabinger, die gar nicht für die Finanzen zuständig waren, den Aktenvermerk verfasst haben sollten.

Westenthaler soll als Vorstand der Österreichischen Bundesliga mit seinem mitangeklagten Co-Vorstand Thomas Kornhoff eine Fördermillion der Republik zweckwidrig verwendet haben.

Laut Anklage wurde die dem Fußball-Nachwuchs zugedachte Million zur Abdeckung einer Finanzschuld der Bundesliga herangezogen. Westenthaler und Kornhoff weisen den in diesem Zusammenhang gegen sie erhobenen Vorwurf des schweren Betrugs zurück.

Geld an den insolventen FC Tirol

Hintergrund: Die Bundesliga hatte TV-Gelder in Höhe von 3,59 Millionen Euro an den FC Tirol ausgeschüttet, der zu diesem Zeitpunkt allerdings schon insolvent war. Da es bereits Pfändungsbescheide des Finanzamts Innsbruck gab, wäre die Bundesliga verpflichtet gewesen, die Millionen der Finanz zu überweisen. Die Republik brachte daher im April 2002 eine Drittschuldnerklage wegen 1,645 Millionen Euro gegen die Bundesliga ein. Als Westenthaler bei der Bundesliga sein Amt antrat, war er bemüht, dieses Damoklesschwert aus der Welt zu schaffen. Laut Anklage sagte er zunächst zu, "sich beim Finanzminister (Karl-Heinz Grasser, Anm.) für eine vergleichsweise Bereinigung auf Basis eines einzuholenden Gutachtens zu verwenden".

In weiterer Folge einigte man sich mit der Finanzprokuratur auf einen bedingten Vergleich, in welchem sich die Bundesliga zur Zahlung von 1,2 Millionen Euro verpflichtete. Westenthaler soll in diesem Zusammenhang jedoch dem Aufsichtsrat der Bundesliga "zielgerichtet", wie es in der Anklageschrift heißt, verschwiegen haben, dass dafür die zweckgebundene Jugendförderung herangezogen wurde, was Westenthaler entschieden bestreitet.