"Grasser wollte nicht in Androsch-Situation kommen"

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Haunold erläuterte die Idee hinter dem komplizierten Stiftungsgeflecht, Böhmdorfer nahm den Beklagten in die Zange


Wien - Am dritten Tag im Schadenersatzprozess, den der frühere Finanzminister Karl-Heinz Grasser gegen seine ehemaligen Steuerberater Peter Haunold und Deloitte am Wiener Handelsgericht angestrengt hat, stand wieder die Einvernahme Peter Haunolds auf der Tagesordnung.

Richter Manuel Friedrichkeit musste zunächst ohne Grasser beginnen. Dieser sei aufgehalten worden, da sein Flugzeug in Innsbruck verspätet war. Wobei sich Grasser am Dienstag ohnehin ausgebeten hatte, am Donnerstag möglicherweise nicht anwesend zu sein, was Friedrichkeit abnickte. Der nächste Verhandlungstag findet am 8. Jänner statt.

Grassers Anwalt, der Ex-Justizminister Dieter Böhmdorfer, begann den Prozesstag mit dem Vorwurf an die Gegenseite, diese würde den Prozess bewusst verzögern, um so die Verfahrenskosten in die Höhe zu treiben. Böhmdorfer hatte am Dienstag eine Prozessunterbrechung bis zur Klärung der strafrechtlichen Frage der Steuercausa gefordert und auf Prozesskosten von rund 75.000 Euro pro Tag verwiesen.

Am zweiten Verhandlungstag war Haunold erstmals befragt worden. Er betonte dabei, dass er Grasser richtig beraten habe und dass bei der Offenlegung der Stiftungskonstruktion vor dem Finanzamt 1./23. in Wien die liechtensteinische Stiftung auch als intransparent – wie erhofft – anerkannt worden sei.

Grasser wirft Haunold hingegen vor, ihn bei seiner Stiftungskonstruktion (der "Struktur") falsch beraten zu haben. Er habe sich voll auf Haunold verlassen, sich bei diesen Dingen gar nicht ausgekannt. "Ich hatte kein Fachwissen zur Struktur", hatte Grasser am Montag und auch am Dienstag betont (siehe auch: Grassers Gegenspieler geigt auf). (APA/red, derStandard.at, 24.10.2014)