Hooligan-Prozess: "Ich bin Fußballfan, sicher kein braver"

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Sieben Hooligans und zwei Vereinsmitglieder müssen sich vor Gericht verantworten - derStandard.at berichtet live


Nach dem gewalttätigen Überfall auf ein türkisches Vereinslokal und die kommunistische Gewerkschaft KOMIntern in Wien-Favoriten im vergangenen Herbst müssen sich am Dienstag sieben Hooligans im Straflandesgericht verantworten. Die Anklage legt ihnen Hausfriedensbruch und Körperverletzung, aber keine politischen Delikte wie Verhetzung oder Wiederbetätigung nach dem Verbotsgesetz zur Last.

Rechtsextreme Fußballfans

Am 27. Oktober 2013 hatten rechtsextreme Fußball-Fans der Austria Wien das Ernst-Kirchweger-Haus (EKH) in der Wielandgasse gestürmt. Dem Strafantrag zufolge öffneten sie mit einem abgebrochenen Besenstiel und Teilen eines Lattenrostes gewaltsam eine Tür, die zum türkisch-kurdischen Kulturverein ATIGF führte. Die Männer waren mit Bierflaschen und Holzlatten bewaffnet. Zwei Personen, die sich ihnen in den Weg stellten - im EKH fand zu diesem Zeitpunkt eine Versammlung der kommunistischen Gewerkschaft KOMintern statt -, wurden mit Faustschlägen traktiert, einer der beiden krankenhausreif geprügelt.

Als im EKH befindliche Aktivisten den Angegriffenen zu Hilfe kamen und die Hooligans ins Freie drängten, liefen diese davon. Die Angreifer gehörten allesamt dem Austria-Fanklub "Unsterblich" an. Sie befanden sich auf dem Weg in die Generali-Arena, das Heimstadion der Austria Wien. Dort ging an jenem Nachmittag das sogenannte Wiener Derby gegen den SK Rapid Wien über die Bühne. Der Fanklub "Unsterblich" war für seine rassistischen und neonazistischen Parolen bekannt.

Mit den Hooligans sind auch zwei Mitglieder von KOMIntern wegen Körperverletzung angeklagt. Mitglieder der Gewerkschaft und des türkischen Vereins hatten sich den Angreifern in den Weg gestellt, dabei ist einer der angeklagten Hooligans verletzt worden. Die Staatsanwaltschaft Wien klagte deshalb auch zwei Vereinsmitglieder wegen Körperverletzung an. derStandard.at berichtet live.

Die angeklagten Austria-Fans sollen allesamt dem Fanklub "Unsterblich" angehört haben. Dieser wird vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) als neonazistisch eingestuft. Der Fan-Zusammenschluss war für seine rassistischen und neonazistischen Parolen bekannt. Auf der Tribüne waren Sprüche wie "Adolf Hitler ist mein Freund", "Zick-Zack Zigeunerpack" und "Rassist, Faschist, Hooligan" zu vernehmen. Die Vereinsführung reagierte schließlich mit Haus- und Stadionverboten, im Jänner 2013 wurde der Gruppierung der Status als offizieller Fanklub der Austria aberkannt.

Die Angeklagten stellten in Abrede, diesem Klub angehört zu haben. Man sei bei keinem Klub dabei oder "einfach Austria-Fan", hieß es. Einer von ihnen hatte allerdings zum Zeitpunkt des Geschehens ein T-Shirt mit der Aufschrift "Unsterblich" an. Dieser Mann behauptete, er habe das Leiberl von einem mittlerweile verstorbenen Bekannten geschenkt bekommen und getragen, "damit die Rapidler wissen, ich bin Austrianer". Er sei zwar kein "Unsterblich"-Mitglied, kenne aber solche: "Ich mag sie auch."

Jener 24-jährige Austria-Anhänger, der im EKH einen Aktivisten verletzt haben soll, beteuerte, das Gebäude nicht betreten zu haben, obwohl er aufgrund seines markanten Äußeren von seinem mutmaßlichen Opfer eindeutig identifiziert wurde. Der groß gewachsene, übergewichtige Schlosser weist zahlreiche Tätowierungen auf und hatte zum Tatzeitpunkt fast keine Vorderzähne. Das spreche nicht für seine Täterschaft, versicherte der 24-Jährige Richter Michael Tolstiuk: "Fußball-Fans haben öfters keine Zähne. Sie sind oft tätowiert und haben das gleiche Auftreten." (red, APA, 8.9.2014)