Sechs Monate bedingte Freiheitsstrafe für Hüseyin S. - Urteil nicht rechtskräftig

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Freispruch vom Landfriedensbruch - Angeklagter räumte "reflexartiges" Schlagen auf Polizeikette ein - Anwältin überreichte 300 Euro an Polizistin - Frau wegen Störung aus Saal getragen


Mit einem Schuldspruch wegen schwerer Körperverletzung und versuchter schwerer Körperverletzung sowie versuchten Widerstands gegen die Staatsgewalt ist Montagnachmittag im Wiener Straflandesgericht der Prozess gegen einen 43-jährigen Demonstranten zu Ende gegangen, der bei einer Kundgebung gegen den Akademikerball im vergangenen Jänner gewalttätig gegen eine Polizistin vorgegangen war. Hüseyin S. wurde zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monate bedingter Haft verurteilt. Vom Vorwurf des Landfriedensbruches ist S. in zwei Fällen freigesprochen worden.

Die 21-jährige Polizistin, die von S. verletzt worden war, bekam denn auch ein symbolisches Schmerzensgeld in der Höhe von 300 Euro, das ihr noch im Gerichtssaal von der Anwältin von S., Nadja Lorenz, in bar ausgehändigt wurden.

Den von der Staatsanwaltschaft angenommenen Landfriedensbruch erachtete der Schöffensenat als nicht gegeben. Dafür gebe es keine Anhaltspunkte, erklärt Richter Andreas Böhm. Es sei nicht nachweisbar, dass eine größere Menschenmenge, also rund 100 Personen auf Mord, Totschlag, Körperverletzung oder schwere Sachbeschädigung aus waren. In beiden Fälle, also bei der Demonstration gegen den Akademikerball sowie bei jener gegen den Aufmarsch der Identitären seien lediglich zehn bis 15 Personen gewalttätig gewesen. Zudem gebe es keinen Zusammenhang zwischen Hüseyin S. und den Sachbeschädigungen in der Wiener Innenstadt nach dem Akademikberball.

Im Zweifel für Angeklagten

Einen Freispruch gab es auch von der versuchten absichtlichen schweren Körperverletzung, die dem Mann im Zusammenhang mit seiner Festnahme angelastet worden war. Hier entschied das Gericht im Zweifel für den Angeklagten

Während des Prozesses kam es öfter zu Unruhe. Eine junge Frau, die aus dem Publikum heraus die Aussagen des Richters kommentiert hatte, wurde von der Polizei auf Anordnung des Richters aus dem Saal hinausgetragen.

Hüseyin S. ist neben Josef S. der zweite Demonstrant gegen den Akademikerball, der verurteilt wurde. Josef S. war im Juli allerdings unter anderem wegen Landfriedensbruchs nicht rechtskräftig verurteilt worden. (koli/APA, derStandard.at, 17.8.2014)