Kritik an Übersetzungen im Schlepperei-Prozess

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Verfahren am Landesgericht Wiener Neustadt - Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt


Der erste Verhandlungstag im Schlepperei-Prozess gegen acht Angeklagte aus dem Umfeld der Refugee-Proteste endete am Montag mit Kritik der Verteidigung an den Übersetzungen im Ermittlungsverfahren. Den Angeklagten - sieben Pakistanis, ein Inder und ein Afghane - wird vorgeworfen, im Rahmen einer kriminellen Organisation an Schleppungen aus Ungarn mitgewirkt und sich gewerbsmäßig daran bereichert zu haben. Die Anklage stützt sich großteils auf Telefonüberwachungen, doch die Übertragung der auf Urdu und Punjabi geführten Gespräche ins Deutsche sorgte bei der Verteidigung am Montag für Aufregung: Die Dolmetscherin habe zum Teil eigene Interpetationen eingefügt, die zu Lasten der Angeklagten gingen, heißt es. Die Verteidiung beantragte deshalb, die Dari-Dolmetscherin, die auch in der Hauptverhandlung übersetzt im Zeugenstand zu befragen.

In ihren Eröffnungsplädoyers bemängelten die Verteidiger, dass die Anklage sich nur auf Indizien stütze. Dass bestimmte "Decknamen", die in der Anklage den Beschulduigten zugeordnet wurden, in Wahrheit gängige Herkunftsbezeichnungen für Personen aus Indien oder Afghanistan seien, wurde in der Verhandlung auch von den anwesenden Dolmetschern bestätigt.

Die Staatsanwaltschaft wirft den acht Angeklagten vor, gut vernetzt agiert zu haben und für das Schleusen von Pakistanis nach Österreich Geld verlangt zu haben.

Kritik der Verteidigung gab es nicht nur an der Anklage, sondern auch am Schlepperei-Tatbestand selbst. Dieser sei "nicht dazu da, Flüchtlinge zu beschützen, sondern uns vor den Flüchtlingen zu beschützen", sagte ein Verteidiger. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. Ein Urteil wird Anfang Mai erwartet.