Telekom-Prozess geht in die Verlängerung

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Der Richter lehnte alle Beweismittel-Anträge bis auf einen ab, ein weiterer Zeuge soll kommen


Wien - Im Telekom-Prozess wurde am Freitag doch kein Urteil gefällt - am kommenden Mittwoch sollte es tatsächlich soweit sein. Über vier der fünf Angeklagten könnte der Schöffensenat unter Vorsitz von Richter Michael Tolstiuk dann das erstinstanzliche Urteil fällen. Das Verfahren gegen den Broker Johann Wanovits könnte ausgeschieden werden, um auf die Befragung eines Zeugen zu warten, der erst Mitte März zurückkehrt. Befragt werden soll einer der Händler von Wanovits in der Euro Invest Bank.

Tolstiuk hat alle Beweisanträge der Verteidiger auf zusätzliche Zeugen und Gutachten abgewiesen. Lediglich ein Zeuge wird noch geladen, der wegen Abwesenheit der Ladung bisher nicht Folge leisten konnte. Betreffend der von den Anwälten der Beschuldigten gestellten Anträge mit dem Ziel, mutmaßliche Kursmanipulationen der Telekom-Aktie von dritter Seite nachzuweisen, sagte der Richter, alle diese Anträge würden abgelehnt. Das Gericht sehe es als erwiesen an, dass es "Veränderungen" gegeben habe.

Anwälte verteidigen ihre Mandanten

Die Anwälte der Beschuldigten verteidigen die Handlungen ihrer Mandanten: Der Vorstand habe nur einen "rechtswidrigen Angriff" auf den Kurs der Telekom-Aktie abgewehrt, so der Anwalt des Brokers Johann Wanovits, Manfred Ketzer. "Hier lagen sehr wohl rechtswidrige Angriffe vor, die FMA hat sich schlichtweg nicht darum gekümmert."  Der Vorstand habe gehandelt, um die Gefahr für das Unternehmen - worin der Anwalt die Nicht-Aktivierung des Manager-Prämienprogramms sieht - abzuwehren.

Warum die heute Angeklagten bei der damaligen FMA-Untersuchung des Kurssprungs vom Februar 2004 über ihren Verdacht, dass der Kurs rechtswidrig nach unten manipuliert worden sei, geschwiegen hatten, darauf gingen die Anwälte nicht ein. 

Am Nachmittag wurde außerdem aus dem "Tagebuch" von Gernot Schieszler gelesen. Schieszler strebt den Kronzeugenstatus an. Bei einer Hausdurchsuchung wurde bei ihm ein schwarzes Notizbuch gefunden, in das er handschriftlich Aufzeichnungen machte.  Schieszler hatte in seinem Tagebuch eine "Shit list" über seinen Arbeitgeber, die Telekom Austria, geführt. Der für dieses Verfahren wichtigste Eintrag: "VST treibt Kurs für Stock Options". Damit belastet Schieszler den Telekom-Vorstand. (APA/red, derStandard.at, 22.2.2013)