FMA-Zeuge wusste nichts von Telekom-Versprechen

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Nach dem spannenden Mittwoch wurden drei Zeugen angehört, außerdem stand die Erörterung eines Gutachtens an


Wien - Am heutigen sechsten Tag des Telekom-Prozesses rund um die Kursaffäre und Korruption gingen die Zeugenbefragungen weiter. Als erster Zeuge wurde ein früherer Mitarbeiter der Finanzmarktaufsicht (FMA) befragt, der den auffälligen Kurssprung der Telekom-Aktie am 26. Februar 2004 untersuchte. Die FMA hatte damals gegen den nun angeklagten Broker Johannes Wanovits ein Straferkenntnis wegen Verletzung des Ansehens der Wiener Börse über 12.200 Euro erlassen, das letztlich vom Verwaltungsgerichtshof (VwGH) aufgehoben worden war. "Hätte ich das damals gewusst, dass Wanovits ein Vorteil von der Telekom versprochen wurde, wäre meine Empfehlung gewesen, das der Staatsanwaltschaft weiterzuleiten", sagte der Zeuge. Wanovits hatte das damals aber nicht gesagt.

Der zweite Zeuge wurde nur kurz befragt. Er war von 2000 bis 2009 Geschäftsführer der Agentur Hochegger Financial, die im Eigentum des Lobbyisten Peter Hochegger stand. Noch kürzer verlief die Befragung der dritten Zeugin. Auch sie war bei der Finanzmarktaufsicht mit der im Jahr 2004 erfolgten Prüfung des auffälligen Kurssprungs befasst. Ihr sei die Erklärung des Brokers Wanovits für seine Kauforder in letzter Minute am letzten Beobachtungstag des Mitarbeiter-Prämienprogramms schon damals "unglaubwürdig" vorgekommen, schilderte. Zur Erörterung des Gutachtens kam es nicht.

Rückblick auf Mittwoch

Am Mittwoch hatte Telekom-Lobbyist Peter Hochegger seinen Auftritt als Zeuge und kam deutlich ins Schwimmen. Eine schlüssige Erklärung, warum er rund 500.000 Euro aus einem Telekom-Auftrag über Mittelsmänner an den angeklagten Broker Johann Wanovits weitergab, konnte er Staatsanwalt Hannes Wandl nicht liefern. Hochegger bestand darauf, dass seine Leistung für den 1,5-Mio.-Euro-Auftrag, aus dem die halbe Million stammte, eine Projektanbahnung zur Marktbereinigung gewesen sei - worüber es aber keine Unterlagen gibt.

Hochegger schilderte, wie ihn Gernot Schieszler im Jahr 2004 kontaktiert habe: "Peter, die Telekom braucht deine Hilfe". Bei einem Akquisitionsprojekt in Osteuropa müssten 500.000 Euro als "Prämie" bezahlt werden, dies gehe aber wegen "Unvereinbarkeit" nicht über die Telekom-Buchhaltung. Hochegger war zur "Hilfe" für seinen wichtigsten Kunden bereit.

Wenn der Zeitplan hält, gibt es am Freitag ein Urteil. (APA/red, derStandard.at, 20.2.2013)