Schieszler entlastet Ex-TA-General Sundt

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Ex-Vorstand Gernot Schieszler belastet vier der fünf Mitangeklagten und hofft auf den Status eines Kronzeugen


Im Telekom-Prozess rund um die Kursaffäre aus dem Februar 2004 ist heute Montag das Beweisverfahren eröffnet worden. Als erster Zeuge wurde Gernot Schieszler befragt. Weiters wurde L., jener Banker, der bei der Euro-Invest die Aktientransaktion der Telekom durchgeführt hat, angehört.

Ex-Prokurist Schieszler hatte zuvor in der mehr als fünf Stunden lang dauernden Befragung den inkriminierten Sachverhalt rund um Korruption und Kursmanipulation und die anschließende Honorierung des hilfreichen Brokers Johann Wanovits umfassend geschildert. Ob er den Kronzeugenstatuts erhält und damit einer Anklage entgeht ist noch nicht endgültig entschieden.

Schieszler entlastet am Montag den angeklagten Telekom-Ex-Chef Heinz Sundt und belastet dafür dessen angeklagte Vorstandskollegen Rudolf Fischer und Stefano Colombo massiv. Sie hätten das "Go" gegeben, den Aktienkurs über die magische Schwelle von 11,70 Euro zu heben, was wiederum ein 8,8 Mio. Euro schweres Bonusprogramm für knapp 100 Telekom-Manager zur Auszahlung brachte. Vor allem Stefano Colombo, früher direkter Vorgesetzter von Schieszler, geriet durch dessen Aussagen unter Druck.

Schieszler strebt einen Kronzeugenstatus an, dann würde er strafrechtlich nicht angeklagt. Sein Recht auf Entschlagung als Beschuldigter hat er heute im Wiener Straflandesgericht nicht genutzt. Gefragt, wie er und seine Vorstandskollegen damals im Februar die Causa gesehen haben, meinte Schieszler zu Richter Michael Tolstiuk, das "Bewusstsein, dass das kein reales, echtes und ehrliches Geschäft war", sei vorhanden gewesen.

Schieszlers frühere Chefs bzw. Vorstandskollegen verfolgten heute die Befragung ruhig. Ex-Generaldirektor Heinz Sundt, Ex-Vorstand Rudolf Fischer und Colombo sind wegen Untreue angeklagt, ihnen drohen bis zu 10 Jahren Haft. Auch der frühere Telekom-Prokurist Josef Trimmel und Euro Invest-Broker Johann Wanovits sitzen auf der Anklagebank. Fischer hat ein Teilgeständnis abgelegt, die anderen vier Angeklagten bestreiten die Vorwürfe und erklärten sich für nicht schuldig.

Am Mittwoch muss unter anderem der umtriebige Lobbyist Peter Hochegger in den Zeugenstand im Wiener Straflandesgericht. (APA/red, derStandard.at, 18.2.2013)