TA-Prozess: Wanovits glaubt an Gentlemen

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Banker Johann Wanovits verteidigt seine "Kurspflege", glaubte an Gentlemen und nicht an Schufte


Tag drei im Prozess gegen die Ex-Spitze der Telekom Austria in Sachen Kursmanipulation im Jahr 2004. Der Prozess wurde am Mittwoch mit der Einvernahme des angeklagten Euro-Invest-Bankers Johann Wanovits fortgesetzt. Dieser bekannte sich "nicht schuldig im Sinne der Anklage." Wanovits erklärte seine Sicht der Geldübergabe, gab Auskunft über Börsenlatein, ein Gentlemen's Agreement mit der Telekom und darüber, wie er die Kurspflege sieht.

Wanovits verteidigte dabei die Kursmanipulation im Jahr 2004. Er habe einen "unzulässigen" Angriff auf den Aktienkurs der Telekom durch einen Kauf von 1,2 Millionen Aktien abgewehrt. Eine schriftliche Vereinbarung über den Aktienkauf gab es mit der Telekom nicht, obwohl dies bei derartigen Geschäften an sich üblich gewesen sei. Dass es zu keiner Verschriftlichung kam, begründete Wanovits in der Befragung durch Richter Michael Tolstiuk damit, dass er an ein "Gentlemen's Agreement" geglaubt habe. Hätte die Telekom die Zusagen zu einer finanziellen Risikoabsicherung nicht eingehalten, wäre das "schuftig" gewesen.

Über Mittelsmänner und Kurspflege

Am Dienstag war Ex-Generaldirektor Heinz Sundt am Wort. Er hatte bereits am Tag davor betont, dass er keinen Kurs manipuliert habe. Sundt gab am Dienstag auch Einblick in den im letzten Moment gescheiterten Einstieg der Schweizer Swisscom bei der Telekom und den Börsengang 2000. Demnach wollte der seinerzeitige Finanzminister Karl-Heinz Grasser Staatsanteile an der Telekom Austria verkaufen, damit er ein Nulldefizit erreichen konnte, so Sundt.

Der mitangeklagte Ex-Prokurist der Telekom Austria, Josef Trimmel, hat außerdem die angeklagten Ex-Vorstände Rudolf Fischer und Stefano Colombo belastet. Demnach gaben diese den Auftrag an Johann Wanovits, den Kurs der Telekom-Aktie zu heben und damit ein Mitarbeiteroptionsprogramm auszulösen. Mittelsmänner zwischen den Vorständen und Wanovits waren Telekom-Bereichsleiter Gernot Schieszler und er selber, schilderte Trimmel.

Für Heinz Sundt, dem die Anklage so wie Fischer und Colombo Untreue gegenüber der Telekom mit einem Schaden von mehr als zehn Millionen Euro vorwirft, waren Trimmels Aussagen entlastend. Schieszler ist in dem Verfahren nicht angeklagt, er strebt eine Kronzeugenregelung an und wird nächsten Montag als erster Zeuge befragt.

Bereits am Montag hatte der ehemalige Festnetzchef Fischer ein Teilgeständnis abgelegt. Er räumte ein, eine Zahlung von 500.000 Euro an einen Banker abgesegnet zu haben, damit dieser den Aktienkurs durch massive Käufe kurzfristig hochtreibt. (APA/red, derStandard.at, 13.2.2013)