Sundt: Grasser wollte für Nulldefizit privatisieren

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Ex-Generaldirektor Heinz Sundt betont, dass er keinen Kurs manipuliert habe und beschreibt das Privatisierungsumfeld


Wien - Tag II im Prozess gegen die Ex-Spitze der Telekom Austria in Sachen Kursmanipulation im Jahr 2004. Zu Beginn wurde am Dienstag die Vernehmung von Ex-Telekom-Finanzvorstand Stefano Colombo abgeschlossen. Laut Anklage hat Colombo einen Prokuristen angewiesen, Geld zu entnehmen, um es zur Bezahlung des mitangeklagten Euro-Invest-Bankers Johann Wanovits zu verwenden.

Danach war Ex-Generaldirektor Heinz Sundt am Wort. Er hatte bereits am Montag betont, dass er keinen Kurs manipuliert habe. Sundt gab am Dienstag auch Einblick in den im letzten Moment gescheiterten Einstieg der Schweizer Swisscom bei der Telekom und den Börsengang 2000. Demnach wollte der seinerzeitige Finanzminister Karl-Heinz Grasser Staatsanteile an der Telekom Austria verkaufen, damit er ein Nulldefizit erreichen konnte, so Sundt.

Am zweiten Tag hat außerdem der mitangeklagte Ex-Prokurist der Telekom Austria, Josef Trimmel, die angeklagten Ex-Vorstände Rudolf Fischer und Stefano Colombo belastet. Demnach gaben diese den Auftrag an den mitangeklagten Euro Invest-Banker Johann Wanovits, den Kurs der Telekom-Aktie zu heben und damit ein Mitarbeiteroptionsprogramm auszulösen. Mittelsmänner zwischen den Vorständen und Wanovits waren Telekom-Bereichsleiter Gernot Schieszler und er selber, schilderte Trimmel.

Für den ebenfalls mitangeklagten Ex-Generaldirektor Heinz Sundt, dem die Anklage so wie Fischer und Colombo Untreue gegenüber der Telekom mit einem Schaden von über 10 Mio. Euro vorwirft, waren Trimmels heutige Aussagen entlastend. Schieszler ist in dem Verfahren nicht angeklagt, er strebt eine Kronzeugenregelung an und wird nächsten Montag als erster Zeuge befragt. (APA, 12.2.2013)