Rathgeber: "Paulus hat von gefälschten Protokollen gewusst"

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Rathgeber klagt auf Wiedereinstellung: Ex-Beamtin belastet ehemaligen Vorgesetzten


Salzburg - Die beschuldigte Referatsleiterin im Salzburger Finanzskandal schilderte am Freitag im Arbeitsrechtsprozess gegen das Land Salzburg ausführlich ihre Sicht der Vorfälle innerhalb der Finanzabteilung. Sie klagt gegen ihre Entlassung und will an ihren Arbeitsplatz zurück.

Zu den Vorwürfen, derentwegen sie entlassen worden war, zeigte sich Monika Rathgeber enttäuscht. Sie habe sich einzelnen Weisungen, hochriskante Geschäfte zu schließen, widersetzt, da sonst ein hoher Schaden entstanden wäre.

Zu einem weiterer Entlassungsgrund erklärte Rathgeber vor Richter Herbert Moritz: "Paulus hat von den gefälschten Protokollen gewusst." Im November 2011 hätten die Rechnungshofprüfer die Protokolle verlangt. Sie habe Eduard Paulus gefragt, ob sie die Protokolle hergeben könne, obwohl sie zu einer negativen Kritik des Rechnungshofes führen könnten, schilderte Rathgeber die Situation. Der Leiter der Finanzabteilung habe sich ratlos gezeigt, und sie habe vorgeschlagen, nicht den konkreten Sitzungsverlauf, sondern nur eine gekürzte Version an die RH-Prüfer zu übergeben. Laut Rathgeber habe ihr Paulus geantwortet: "Ja, wenn du dich das traust." Paulus habe die veränderten Protokolle nicht sehen wollen. Die Protokolle habe sie nicht verheimlicht: "Ich habe beide Versionen der Protokolle auf dem Gemeinschaftslaufwerk gespeichert." Paulus betonte: "Das ist die absolute Unwahrheit." Er habe von den gefälschten Protokollen erst am 5. Dezember 2012 erfahren, nachdem sie ein Mitarbeiter entdeckte.

Rathgeber werden zudem acht Unterschriftenfälschungen vorgeworfen. "Ich habe die Unterschrift hineinkopiert, weil mein Kollege nicht da war", erklärte Rathgeber. Das sei nie bei einem Geschäftsabschluss passiert, sondern nur bei nachträglichen Bankbestätigungen. Für den Anwalt des Landes Salzburg, Alfred Eder, stellte sich die Frage, warum die ehemalige Beamtin ausgerechnet bei sechs weisungswidrigen Range-Accural-Swaps die Unterschrift des Kollegen kopiert habe. Rathgeber erklärte, sie habe auch in zwei genehmigte Geschäfte die Unterschrift eingefügt. (ruep, DER STANDARD, 2.2.2013)