Vergleich mit dem Fall der Berliner Mauer

29. Juni 2002, 19:56
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Die Weihe sei "die erste Reformation der Kirche im dritten Jahrtausend"

Linz/Passau - Mit dem Fall der Berliner Mauer verglichen jene Frauen, die sich am Samstag zu "Priesterinnen" der katholischen Kirche weihen ließen, ihren gegen das Kirchenrecht verstoßenden Schritt. "So wie der Fall der Berliner Mauer durch mutige Christen ausgelöst wurde, die bewusst gegen das Gesetz verstießen, wird auch die Diskriminierung der Frau in der Kirche durch mutige Katholikinnen zu Fall gebracht werden, die bewusst schwer gegen das kirchliche Recht verstoßen", betonten die "Priesterinnen" bei einer zum Teil turbulent verlaufenden Pressekonferenz in Suben an der bayerisch-oberösterreichischen Grenze.

An der Pressekonferenz nahmen mehrere zuvor "geweihte" Frauen aus Österreich, Deutschland und den USA teil. Anwesend war auch Monsigniore Romulo Braschi, ein 1941 in Argentinien geborener ehemaliger Priester der römisch-katholischen Kirche und jetzt Bischof einer "katholisch-apostolischen charismatischen Kirche Jesus König". Braschi, der von der römisch-katholischen Kirche exkommuniziert wurde, war mit seiner Ehefrau zur Pressekonferenz gekommen. Er hatte die Weihe der sieben Frauen auf dem Donauschiff vorgenommen, das Recht dazu habe er, sagte Braschi, weil er in der auf Petrus zurückgehenden "apostolischen Nachfolge" stehe. Daher sei die Weihe im Sinn der römisch-katholischen Kirche gültig, sagte Braschi. Auch die Frauen bestätigten dies und erklärten, sie seien jetzt "Priesterinnen der römisch-katholischen Kirche".

Warum es nötig war

Bei der Pressekonferenz wurden noch weitere Vergleiche herangezogen, warum es notwendig gewesen sei, durch die Frauen-Weihe bewusst gegen das Recht der römisch-katholischen Kirche zu verstoßen. "Auch Jesus setzte sich bewusst über die Gesetze und Vorschriften der jüdischen Hohenpriester hinweg", erklärten die "Priesterinnen". Und auch die Reformation durch Martin Luther habe vor einem halben Jahrtausend ihren Ausgang von Deutschland genommen, was jetzt mit der Frauen-Weihe geschehe, sei "die erste Reformation der Kirche im dritten Jahrtausend", hieß es bei der Pressekonferenz.

Die Sprecherin der deutschen Weihe-Kandidatinnen, Gisela Forster, sagte: "Wir kämpfen nicht gegen die Kirche oder gegen Menschen in der Kirche, wir kämpfen gegen jenen Paragraphen im Kirchenrecht, der die Weihe auf Männer beschränkt." Und weiter sagte Forster: "Wir wollen keinen Krieg mit der katholischen Kirche, wir wollen die Kirche von innen her verändern."

"Zweite Weihe" geplant

Bei der Pressekonferenz wurde auch bekannt gegeben, dass es trotz der Weihe durch Romulo Braschi in den nächsten Tagen eine "zweite Weihe" der selben Kandidatinnen geben werde. Dies geschehe für den Fall, dass jemand die jetzige Wehe aus formalen Gründen nicht anerkenne. Diese "zweite Weihe" werde von einem amtierenden römisch-katholischen Bischof durchgeführt, dessen Name man aber nicht bekannt geben könne, weil dieser Bischof sonst mit Repressalien durch die Amtskirche rechnen müsse. Der genaue Zeitpunkt und der Ort dieser "zweiten Weihe" bleibe geheim.

Die Sprecherin der österreichischen Weihe-Kandidatinnen, Christine Mayr-Lumetzberger, betonte ebenfalls, sie und ihre Kolleginnen würden sich als "Priesterinnen der römisch-katholischen Kirche" verstehen. Sie hätten vor, ihre priesterlichen Funktionen auszuüben, "wenn uns jemand darum bittet".

"Wir werden sie begleiten"

Dies gelte auch für die Feier der Eucharistie, betonte Mayr-Lumetzberger. "Wann immer Menschen uns bitten, mit ihnen unterwegs zu Gott zu sein, werden wir sie begleiten." Man verstehe sich auch nicht als Konkurrenz zu den Pfarrern oder zu Pfarrgemeinden, und man werde weiterhin das Gespräch mit den österreichischen Bischöfen suchen. Auch die anderen Weihe-Kandidatinnen erklärten, sie würden künftig verstärkt im seelsorglichen Bereich tätig sein, wobei sie bereits bisher pastorale Aufgaben ausgeführt hätten. Zwei der deutschen "Priesterinnen" sind Doktorinnen der Theologie.

Bei der Pressekonferenz wurde weiters mitgeteilt, dass es bereits eine Reihe von Anfragen von weiteren Frauen gebe, die zu Priesterinnen geweiht werden möchten. Konkret liegen solche Anfragen von etwa sechs Frauen aus der Schweiz, aus Norddeutschland, aus England und aus Afrika vor.

Bei der Pressekonferenz waren zahlreiche JournalistInnen, FotografInnen und Kameraleute aus Österreich und Deutschland anwesend. Unter anderem auch der Chef der konservativen katholischen Zeitschrift "Der 13.", Friedrich Engelmann. Dieser richtete an Christine Mayr-Lumetzberger die Frage, ob es stimme, dass sie gerne "oben ohne" bade, und ob sie das auch als "Priesterin" weiterhin tun werde. darauf hin wurde es turbulent. Mayr-Lumetzberger verwahrte sich scharf gegen diese Frage und verwies Engelmann des Saales. Dieser rief, er gehe nur, wenn man ihn mit Gewalt entferne und er verlange nach der Gendarmerie. Nach einigem Hin und Her gelang es Gisela Forster von den deutschen "Priesterinnen", die Situation zu beruhigen. Mayr-Lumetzberger verweigerte die Antwort auf die Frage Engelmanns, dieser durfte aber im Saal bleiben. (APA)

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    Die frisch geweihten Priesterin (v.r.n.l.) Gisela Forster, der nicht anerkannte argentinische Bischof Romulo Braschi, der die Feier zelebrierte, sowie Iris Mueller, ebenfalls zur Priesterin geweiht
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