Berlins Zeitungen bei Holtzbrinck

27. Juni 2002, 11:35
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Gruner+Jahr stößt Regionalblätter ab, Konzentration befürchtet

Frühmorgens wurden Redakteure der Berliner Zeitung Mittwoch zuhause angerufen und zur Betriebsversammlung beordert. Zeitgleich lief über die Nachrichtenagenturen, Gruner+Jahr habe die Berliner Zeitung und den Berliner Kurier an Holtzbrinck verkauft. G+J (Stern, Geo, in Österreich: Verlagsgruppe News) wolle sich auf Zeitschriften konzentrieren.

Alarmstimmung bei den rund tausend Beschäftigten, denn: Bisher lehnte das Kartellamt ab, als Holtzbrinck nach Mediaprint-Muster Vertrieb, Druck, Einkauf, EDV, Anzeigenakquisition und Buchhaltung von Tagesspiegel und Berliner Zeitung zusammenlegen wollte. Holtzbrinck-Geschäftsführer Michael Grabner suchte zu beruhigen: "Durch selbstständigen Fortbestand von Tagesspiegel und Berliner Zeitung wird die publizistische Vielfalt aufrechterhalten."

Der Tagesspiegel verkauft 138.000 Exemplare, die Berliner Zeitung 191.000, der auch an Holtzbrinck gehende Berliner Kurier 140.000.

Springer hält im Berliner Markt dagegen mit Morgenpost (158.000 Exemplare), B.Z. (244.000) und Welt, die hier 30.000 Stück verkauft. Zu Jahresbeginn hat Springer die Redaktionen von Welt und Morgenpost zusammengelegt. Überregionale Titel wie Süddeutsche und Frankfurter Allgemeine sowie die tageszeitung ergänzen das Angebot in Berlin.

Nur mit Auflagen wird das Kartellamt zustimmen, meint Medienforscher Horst Röper. (Alexandra Föderl-Schmid/DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 27.6.2002)

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