Streit über Pisa-Studie im deutschen Wahlkampf

26. Juni 2002, 12:10
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Kanzlerkandidat Stoiber attackiert Ministerin

Die am Dienstag vorgestellten Details der so genannten Pisa-Studie waren Anlass für heftige Debatten in Deutschland, die vom Wahlkampf geprägt waren. Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber sprach sich für deutschlandweit einheitliche Qualitätsstandards an Schulen aus. Eine "Bundeszuständigkeit für die Bildungspolitik in toto" werde es mit ihm als Kanzler aber nicht geben, betonte Stoiber. Bildung ist in Deutschland Ländersache und ein Kernelement des Föderalismus in der Bundesrepublik.

Der Kanzlerkandidat attackierte außerdem Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD). "Ich wundere mich, dass Bulmahn keine andere Aufgabe sieht, als Bayern anzugreifen." Bulmahn solle den Blick lieber auf die anderen Länder richten, die schlechter abgeschnitten hätten. Bayern spiele als einziges Bundesland international in der ersten Liga, meinte Edmund Stoiber.

Bayern hat im Bundesländervergleich der OECD-Bildungsstudie in fast allen Wertungen den Spitzenplatz, gefolgt von den CDU-regierten Bundesländern Baden-Württemberg, Sachsen und Thüringen. Schlusslichter sind in fast allen Kategorien Bremen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt, die zum Zeitpunkt des Tests SPD-geführte Regierungen hatten. Bei den naturwissenschaftlichen Gymnasien ist allerdings das SPD-regierte Schleswig-Holstein führend.

Bildungsministerin Bulmahn (SPD) kündigte am Dienstag an, die von ihr geplanten nationalen Bildungstests in Schulen notfalls auch gegen den Widerstand der Bundesländer mit rot-grüner Mehrheit im Bundestag durchsetzen. (DER STANDARD, Printausgabe, 26.6.2002)

Von Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin
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