Gehrer will weiter pragmatisieren

23. Juni 2002, 16:41
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Ministerin möchte Ausnahmeregelung für Frauen über 45 - Ausweitung der Integration auf höhere Schulen "unverantwortlich"

Wien - Lehrerinnen über 45 Jahre sollen auch weiter pragmatisiert werden können. Eine solche Regelung strebt Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) im von Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer (F) vorgelegten Deregulierungsgesetz an. Bis zu den Beratungen im zuständigen Ausschuss sollen in einer Arbeitsgruppe entsprechende Ausnahmen zur Regierungsvorlage beraten werden, so Gehrer im Gespräch mit der APA. Aufräumen will die Ministerin auch mit Verunsicherungen bei den Lehrern: "Die Pragmatisierung derer, die jetzt in der Schule sind, wird in keiner Weise verändert."

Bis zum Alter von 45 Jahren könne sie selbst weiter pragmatisieren, danach nur mehr mit Ausnahmegenehmigung des Ministeriums für Öffentliche Leistungen. "Verboten" ist hingegen die Pragmatisierung von neu Eintretenden über 40. Die angestrebte Ausnahme für Frauen über 45 begründete sie mit den "anderen Lebensläufen", da sie sich nicht einerseits um die Kinder kümmern und auf der anderen Seite dadurch Nachteile erleiden sollten. An der Pragmatisierung bzw. Definitivstellung findet Gehrer auch "nichts Eigenartiges". Sie existiere auch in anderen Lebensbereichen wie den Banken in ähnlicher Form und gebe Sicherheit, nicht jedem Willkürakt ausgesetzt zu sein - immerhin müssten Lehrer mit den Zeugnissen auch Urkunden ausstellen.

Ab dem Schuljahr 2003/2004 soll es auch ein neues Gehaltsschema für alle Lehrer geben, das keine Biennalsprünge mehr enthält. Das Anfangsgehalt solle bei rund 2.000 Euro monatlich liegen, das Endgehalt werde niedriger sein als bisher. "Junge Lehrer brauchen mehr Geld", so Gehrer. Insgesamt bleibe das Lebenseinkommen gleich. Ob das neue Gehaltsschema nur für Lehrer oder als "Gesamtpaket" im öffentlichen Dienst verwirklicht wird, sei eine Frage, die ins Ressort der Vizekanzlerin falle. "Ich wäre dafür, eine Berufsgruppe herauszulösen", so Gehrer. Solange aber die Umsetzung bei den Lehrern nicht behindert werde, habe sie aber keine Einwände gegen ein Gesamtpaket.

Erneut verteidigte Gehrer die geplante Überführung der Integration von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf ins Regelschulwesen nur an Polytechnischen Schulen (PTS). Wichtig sei es, dass geistig Behinderte einen Platz im Leben und einen Beruf finden. Forderungen nach einer Ausdehnung auf die Höheren Schulen wären nicht sinnvoll: "Es bringt nichts, wenn jemand bis in die achte Klasse als Ikone der sozialen Integration mitgetragen wird." Es wäre auch "unverantwortlich dem Kind gegenüber", geistig Behinderte bis zur Matura führen zu wollen.

Mit den Sozialpartnern will Gehrer noch im kommenden Jahr eine Regelung erarbeiten, wonach geistig Behinderte, die eine Tätigkeit erlernt haben, eine Bestätigung darüber ausgestellt bekommen können. Diese bilde keinen Berechtigungsschein oder Berufsabschluss, die Jugendlichen wären dann "qualifizierte Helfer".

Im Pflichtschullehrerbereich appellierte Gehrer an die Direktoren, den Klassenvorständen mehr Zeit für etwaige Konfliktlösungen zu geben. Im Rahmen der Schulautonomie wäre es möglich, dass in jenen Klassen, in denen dies notwendig sei, eine entsprechende Klassenvorstandsstunde einzurichten - diese müsse auch nicht jede Woche auf dem Stundenplan stehen.

Bei den höheren Schulen wolle man sich gemeinsam mit der Gewerkschaft ansehen, wie hoch der Bedarf an Konfliktlösung und inwiefern die Einplanung solcher Stunden im Rahmen der Autonomie möglich sei. Eine generelle Rückkehr zur alten Regelung für den Klassenvorstand (seit dem laufenden Schuljahr werden Klassenvorstands- und Kustodentätigkeit nicht mehr in die Lehrverpflichtung eingerechnet, sondern finanziell abgegolten, Anm.) kann sich die Ministerin aber nicht vorstellen: "Ich kann nicht immer wieder zurückkrebsen und sagen, jetzt will ich die Abschlagstunde auch."(APA)

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