Das war noch nicht alles

24. Juni 2002, 09:29
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1999 verabschiedete sich Kenzo aus der Modeszene, nun startet der japanische Designer sein Comeback. Von Linda Koreska

Das Schöne an der Mode ist, dass es immer Überraschungen gibt. Eine der erfreulichsten seit langem ist die Nachricht von der Rückkehr des sympathischen Kenzo. Als er sich im Oktober 1999 - nach 30 Jahren Mode - mit einem Megafest vor 2000 Personen auf einem Elefanten reitend und auf einem Erdball balancierend verabschiedete, hatte man irgendwie das Gefühl, dass das noch nicht alles gewesen sein konnte. Man konnte kaum glauben, dass Kenzo sich danach wirklich nur mit Reisen und Malen begnügen würde.

Sein Nachfolger, der begabte Gilles Rosier, führte das Damen-Pret-à-porter, das seit etwa acht Jahren im Besitz des Luxuskonzerns LVMH (Louis Vuitton Moet Hennessy) ist, mit Talent weiter, die Herrenlinie entwirft seit dem Roy Krejberg.

Als der 1939 geborene Kenzo Takada nach dem Studium der Modeschule Bunka und etwas Praxis in Tokio 1964 in Frankreich landete, hatte er weder Kontakte noch Sprachkenntnisse. Doch bald öffneten ihm seine originellen Zeichnungen einige wichtige Türen. Seit seiner ersten Kollektion 1970 brachte er mit gewagtem Farb- und Mustermix, buntem Blumendessins, Kimonoschnitten und abgewetzten Jeans Fröhlichkeit in die Pariser Mode. Seine Hippiekleider, seine Bauernblusen, sein Folklore-Look mit fernöstlichen, afrikanischen, nordischen und auch österreichischen Motiven liegen heute wieder genau im Trend.

Das trifft sich gut, denn Kenzo ist wieder da. Nach zahlreichen Reisen zwischen Tokio, seiner Villa in Phuket und seinem im Bau befindlichen Haus in Tanger ist Paris wieder sein Hauptquartier - ein Juwel japanischer Wohnkultur mit Innen-Pool und Zen-Garten. Sein neuer Geschäftsführer Pierre Lévy, ehemaliger Generaldirektor der Couture von Yves Saint Laurent, spricht von einer "Explosion Kenzo".

Man hört von einer neuen Mode-, Accessoires- und Deco-Linie namens "Yumé" (Traum auf japanisch), die auf sechs Seiten im Herbstkatalog des französischen Versandhauses La Redoute erscheinen wird. Eine Minoritätsbeteiligung der Luxusgruppe LVMH von siebzehn Prozent an der neuen Firma Kenzo Takada lässt auf geschicktes Taktieren zwischen zwei feindlichen Gruppen schließen. Denn die Gruppe Pinault / Printemps, Besitzer von La Redoute, ist mit der LVMH-Gruppe seit dem Streit um Gucci spinnefeind. Andererseits investiert LVMH nochmals in einen Modeschöpfer, dessen Namen sie schon vor Jahren gekauft hat.

"Das alles wurde in bestem Einvernehmen mit Yves Carcelles, Generaldirektor der Mode bei LVMH, vertraglich abgeschlossen", versichert Pierre Lévy. "Offensichtlich zieht dessen Gruppe es vor, in Synergie mit einer so kreativen Persönlichkeit wie Kenzo zu arbeiten als in Opposition. Andererseits ist es auch für uns vorteilhaft, mit dieser riesigen Luxusgruppe im Einvernehmen zu sein, was uns bei der Entwicklung neuer Produkte unter der Marke Yumé helfen kann: Damen- und Herrenmode zu erschwinglichen Preisen, Lifestyle-Produkte, vielleicht auch einmal ein Parfum. Aber Kenzo ist mehr als nur Mode. Ich hoffe, über sein Charisma auch andere, mehr humanitäre Werte, die etwas in Vergessenheit geraten sind, fördern zu können", erklärt Pierre Lévy.

Inzwischen investiert LVMH aber auch kräftig in Kenzos ursprüngliche Marke. So ist geplant, das Hauptquartier ins Warenhaus Samaritaine zu verlegen, dort eine Sushi-Bar (gestaltet von Andrée Putman),ein Restaurant (designt von Philippe Starck) und einen vierstöckigen Mega-store zu eröffnen. Außerdem sind weitere Kenzo-Boutiquen in Frankreich geplant.

Währenddessen macht der vielseitige, ewig junge Modeschöpfer und Maler nun auch noch Musik: Demnächst bringt er mit Sony eine Kompilation namens "Sensation Pourpre" mit Melodien aus allen Kulturen heraus (unter der Marke KT Music). Der große Reisende sieht das als "eine musikalische Reise, die Verständnis und Kommunikation zwischen den Menschen fördern soll ." (DER STANDARD/rondo/21/6/02)

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    foto/la redoute
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