Baedeker - ein Reiseführer feiert Jubiläum

28. Juni 2002, 11:01
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Vor 175 Jahren wurde die Verlagsbuchhandlung Baedeker gegründet - ein moderneres Konzept soll weiterhin den Erfolg garantieren

Hamburg - Wer kennt sie nicht - zu drei Vierteln rot, zu einem Viertel blau, das Äußere ist zwar wenig originell, dafür aber ein Markenzeichen. Zwischen den dicken Plastikbuchdeckeln der Baedeker-Reiseführer verbirgt sich schwergewichtiges Reise-Wissen aus aller Welt, aus keinem Buchhändler-Sortiment sind sie wegzudenken.

Vor 175 Jahren am 1. Juli 1827 eröffnete der Buchhändler und Geisteswissenschafter Karl Baedeker in Koblenz eine Verlagsbuchhandlung. 1835 überarbeitete und erweiterte er die bereits 1828 von Friedrich Röhling herausgegebene "Rheinreise von Mainz bis Cöln. Handbuch für Schnellreisende". Damit entstand eigentlich erste Baedeker-Reiseführer.

Baedeker recherchierte für die folgenden Bände "Belgien", "Holland" und "Schweiz" selbst. Noch heute sind viele der 15 Verlags-Redakteure gleichzeitig auch Autoren der Baedeker-Reiseführer: "Wir sind damit die einzigen, die auch selber verreisen", sagt Baedeker-Chefredakteur Rainer Eisenschmid.

Derzeit sind nach Verlagsangaben rund 150 verschiedene Reiseführer der Reihe "Baedeker/Allianz" mit Zielen von Australien bis Vietnam auf dem Markt, daneben gibt es bis zu 15 schmalere Städtereiseführer.

Allein der Jubiläumsband "Deutschland" mit 1164 Seiten verkaufte sich über 1,6 Millionen Mal. Pro Jahr erscheinen vier bis sechs neue Titel in der Baedeker-Reihe, deren charakteristischer dreiteiliger Aufbau aus Übersicht, Sehenswürdigkeiten in alphabetischer Reihenfolge und praktischen Tipps ebenfalls auf Karl Baedeker zurückgeht.

Unter dem reisenden Baedeker-Leser stellen sich viele eher den 60-jährigen Altphilologen vor, ein Bild, das Chefredakteur Eisenschmid nicht gelten lassen will: "Alle Untersuchungen zeigen, dass die Käufer quer durch alle Bildungsschichten zu finden sind." Dennoch arbeitet auch der Verlag daran, seinen Reiseführern ein moderneres Konzept zu verpassen. "Es hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass sich die Leute nicht nur Säulen und Baudenkmäler ansehen wollen, sondern auch mehr Tipps haben wollen, wo sie etwa hinterher essen gehen können."

Der Baedeker soll auch im Stil und der Gestaltung "lockerer" und "frischer" werden. Auch das Spektrum der Sehenswürdigkeiten soll erweitert werden. Neben archtektonischen Bauwerken und Kulturdenkmälern soll auch der nahe gelegene Freizeitpark kenntnisreich beschrieben werden. "Dies ist aber ein Trend, den alle mitmachen", betont Eisenschmid. (APA/red)

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