Augenkrankheiten: Exaktere Diagnose von Leseproblemen

17. Juni 2002, 10:53
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"Ausgezeichnete Erfolge" mit den "Radner Lesetafeln"

Linz/Wien - Eine exaktere Diagnose kann nun bei Patienten mit Augenkrankheiten gestellt werden. Viele klagen nämlich über massive Probleme beim Lesen. Mit herkömmlichen Sehtests seien diese Schwierigkeiten nicht messbar, erklärte Universitätsprofessor Wolfgang Radner von der Augenklinik der Universität Wien. Deshalb entwickelte er "Lesetafeln", mit denen nicht einzelne Buchstaben, sondern - wie im Alltag - ganze Sätze gelesen werden müssen. Leseprobleme können damit exakter nachgewiesen und die Brille dahingehend abgestimmt werden. Seit kurzem sind sie in der Praxis im Einsatz, mit "ausgezeichnetem Erfolg", freute sich Radner im Gespräch mit der APA.

Augenerkrankungen wie Schielen, Grauer Star oder altersbedingte Netzhautdegenerationen können das Sehvermögen im Alltag extrem beeinträchtigen. Probleme treten vor allem dann auf, wenn es um das Lesen geht. Bisher konnte dies aber "nicht so gut" festgestellt werden. Denn: "Bei Sehtests können viele der Patienten oft noch sehr kleine Buchstaben erkennen. Werden diese aber zu Wörtern aneinander gereiht, nicht mehr", erläuterte der gebürtige Linzer Radner.

Mit den abgestuften Lesetafeln können diese Probleme nun genau und standardisiert diagnostiziert werden. Wissenschaftliche Studien zeigten, dass in der älteren Bevölkerung besonders jene mit einer so genannten Makula- Degeneration profitieren. Dabei handelt es sich um eine Schädigung der Netzhaut, die zum Verlust des zentralen Sehens führt, im Volksmund bekannt unter "Netzhaut-Verkalkung". Österreichweit ist davon immerhin jeder zwanzigste 60-Jährige betroffen - Tendenz mit zunehmendem Alter steigend. Denn um das 90. Lebensjahr hat diese Krankheit schon jeder Zweite. Von den Schielpatienten profitieren sogar alle, so der Experte. Gerade diese Patienten hätten nichts davon, wenn sie einzelne Buchstaben scharf sehen, denn "im Alltag nützt ihnen das gar nichts".

Radners Lesetafeln sind mittlerweile im gesamten deutschsprachigen Raum verbreitet, haben dem Mediziner mehrere Vortragseinladungen an amerikanischen und deutschen Universitäten eingebracht und wurden bereits drei Mal mit Preisen ausgezeichnet. (APA)

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