Ärzte gegen Gebühreneinhebung

14. Juni 2002, 18:57
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Patienten werden für Chipkarte in der Ordination bezahlen müssen

Wien - Die Ärzte wollen nicht das "Inkasso" für die Chipkarte übernehmen. Das wurde am Kammertag der Österreichischen Ärztekammer am Freitag in Pörtschach einstimmig beschlossen. Wie berichtet wird die neue Chipkarte ab 2004 den Krankenschein ablösen. Statt der Krankenscheingebühr muss dann vom Patienten einmal pro Jahr für die Karte insgesamt 10 Euro gezahlt werden - und zwar beim ersten Arztkontakt.

Im Gesundheitsstaatssekretäriat ist man trotz der Drohgebärden optimistisch, dass die Mediziner das Geld einheben werden. Schließlich profitierten die Ärzte von der Karte, die die "Zettelwirtschaft" mit den Krankenscheinen ablöse.

Ein Misstrauensantrag gegen Ärztekammerpräsident Otto Pjeta - vorgebracht von den Praktikern aus Wien und Niederösterreich - fand am Kammertag nicht die notwendige Mehrheit, um auf die Tagesordnung gesetzt zu werden. An Pjeta war im Vorfeld der Veranstaltung Kritik geübt worden, weil er mit der Absegnung eines Gruppenpraxismodells in Oberösterreich die Verhandlungen über einen österreichischen Gesamtvertrag "torpediert" habe, wie seine Kritiker meinten.

Die Chipkarten-Gebühr löste am Freitag weitere Debatten aus. Die SPÖ warf der Regierung vor, Kranke zu schröpfen. AK-Vizepräsident und Christgewerkschafter Alfred Dirnberger sprach von einem Versagen von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (VP) und Sozialminister Herbert Haupt (FP). (mon/DER STANDARD, Printausgabe, 15./16. Juni 2002)

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