Forschungen zum Cheju-Massaker

14. Juni 2002, 15:44
2 Postings

Vorgänge von 1948 auf der koreanischen Halbinsel lange verschwiegen

Seogwipo - Noch heute liegt einer der tragischsten Abschnitte der Geschichte Koreas weitgehend im Dunkeln. Erst seit einigen Jahren versuchen Historiker, Bürgerorganisationen und Journalisten aus Cheju die Wahrheit über ein Massaker zu Tage zu fördern, dass sich vor 54 Jahren auf der größten Insel des ostasiatischen Landes ereignet hat. Am 3. April 1948 kam es auf Cheju vor der Südküste zu einem Aufstand, der sich gegen die Bildung einer vom Norden der koreanischen Halbinsel getrennten pro-amerikanischen Regierung richtete. Als Folge dieser Protestbewegung gingen koreanische Soldaten und Polizeikräfte unter den Augen des damaligen US-Kommandos brutal gegen die Inselbewohner vor. In deren Reihen vermutete man Kommunisten.

Nach Schätzungen von Historikern wurden allein zwischen Oktober 1948 und April 1949 etwa 30.000 von 300.000 Bewohnern Chejus getötet. Viele Dörfer wurden dem Erdboden gleichgemacht. Viele Insulbewohner versuchten den Unterdrückungsaktionen zu entkommen, indem sie Zuflucht in den Bergen, auf dem Festland oder in Japan suchten. Das Gemetzel endete erst, als die US-Truppen im Mai 1949, knapp ein Jahr vor dem Ausbruch des Korea-Kriegs (1950-53), abzogen. Mit der Ziehung einer militärischen Demarkationslinie nach dem Ende des Kriegs wurde die 1945 vollzogene Teilung der koreanischen Halbinsel besiegelt. Selbst unter den Koreanern sind die Vorfälle von 1948 noch immer kaum bekannt. Historische Dokumente werden nach wie vor nur unter großen Mühen hervorgeholt. Von offizieller Seite wurden die Vorgänge bis Ende der 90er Jahre verschwiegen. (APA/dpa)

Share if you care.