Mordfall Schriefl: Volle Strafe

13. Juni 2002, 22:54
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Berufung von Oberlandesgericht abgelehnt, ein Mädchenmord bleibt wohl ungeklärt

Wien - "Das ist ja eine Sauerei, Sie sollten sich genieren." Aufgebracht und mit Tränen in den Augen reagierte der 33-jährige Wiener Herbert P. am Donnerstag auf das Ergebnis seiner Berufung im Mordfall Alexandra Schriefl. Die 20-Jährige war im Oktober 1988 von P. vergewaltigt und ermordet worden. Vorsitzender Leo Levnaic-Ivanski bestätigte die 15 Jahre Haft und die Einweisung in eine Anstalt.

Der Verteidiger von P., Georg Thalhammer, führte in seinem Vortrag im Oberlandesgericht die Gründe für die Berufung aus: Der Angeklagte habe sich seit dem Mord "wohl verhalten", darauf sei keine Rücksicht genommen worden. Auch die Anstaltseinweisung sei nicht richtig, da der Gutachter keine dezidiert negative Zukunftsprognose abgegeben hatte.

Oberstaatsanwalt Harald Eisenmenger konterte knapp. Die Verbrechen an Schriefl hätten sich "lebenslang" verdient. Nur der Tatsache, dass er zur Tatzeit unter 21 Jahre alt gewesen sei, verdanke P. die 15-jährige Haftstrafe. Eine Reduktion wäre eine "Verhöhnung des Opfers".

Der Dreiersenat folgte in seinem Urteil dem Staatsanwalt. P. habe in den 13 Jahren nach der Tat sieben weitere Aburteilungen wegen diverser Delikte bekommen, von einem Wohlverhalten könne kaum gesprochen werden. Den Gefühlsausbruch des Angeklagten ahndete der Richter mit einem Saalverweis, im Hinausgehen rief P. dem anwesenden Bruder Schriefls noch "sag deiner Mama, dass es mir Leid tut" zu.

Ungeklärt bleibt der Mord an der zehnjährigen Christina Beranek

Mit dem Abschluss im Fall Schriefl bleiben noch zwei der so genannten "Favoritner Mädchenmorde" übrig. Im Dezember 1990 wurde die achtjährige Nicole Strau missbraucht und vergewaltigt. Ein Verdächtiger, der durch DNA-Tests schwer belastet wird, erwartet derzeit seinen Prozess. Ungeklärt bleibt wohl der Mord an der zehnjährigen Christina Beranek im Februar 1989. Auch in diesem Fall war P. verdächtig, die Ermittler konnten allerdings keine Spuren mehr sichern, das Verfahren wurde eingestellt. ( Michael Möseneder, DER STANDARD, Printausgabe, 14.6.2002)

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