UTA schluckt Netway: Unrentable E-Business-Bereiche werden abgestoßen

13. Juni 2002, 14:52
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Zweitmarke wird aufgelöst und ein Drittel der Mitarbeiter abgebaut

Der größte österreichische alternative Telekom- und Internet-Anbieter UTA löst nach neunmonatiger Durststrecke seine E-Business-Tochter Netway auf. Die unrentablen Geschäftsfelder aus dem E-Business-Portfolio werden bis Jahresende abgestoßen, der größere Rest von Netway unter der Marke UTA zusammengefasst.

Ein Drittel der Mitarbeiter muss gehen

Ein Drittel der Netway-Mitarbeiter, in absoluten Zahlen 25 Posten, werden abgebaut. Die Marke Netway wird aufgelassen, erklärte UTA-Vorstand und Netway-Aufsichtsrat Johannes Schwertner Donnerstagnachmittag.

Firmenrechtlich werden UTA und Netway miteinander verschmolzen. Die Eintragung im Firmenbuch soll Anfang Juli erfolgen. Der Netway-Aufsichtsrat hat den Plänen bereits am Donnerstag zugestimmt.

Unrentable E-Business-Bereiche werden abgestoßen

Konkret abgestoßen werden Softwarevermietung (Application Service Providing), Internet-Consulting und Webdesign sowie E-Commerce-Angebote im Bereich Internetshops und Marktplätze. Vor allem die Nachfrage von Seiten der Klein- und Mittelbetrieb nach E-Business-Lösungen habe sich nicht so entwickelt, wie die Auguren dies erwartet hätten, klagt der UTA-Vorstand.

Die Entwicklung im E-Business sei derzeit stagnierend bis rückläufig. "Die firmenrechtliche Selbstständigkeit von Netway und die Fortführung der Zwei-Marken-Strategie machen unter diesen Rahmenbedingungen auf Dauer wirtschaftlich keinen Sinn", so Schwertner weiter.

Zukunft noch ungewiss

Was mit den vor der Schließung stehenden Bereichen passieren wird, ist noch unklar. Ziel sei es, Partner zu finden, die die Kunden übernehmen. Auch was mit dem Marke Netway geschieht, einst einer der bekanntesten Internetprovidern Österreichs, ist noch nicht entschieden. Bis Jahresende wolle man klären, wie die Marke verwertet werde. Bis dahin bleibt die Marke vorerst bestehen, sagt der Vorstand.

Schon im September des Vorjahres hatte die UTA alle Netway-Internetkunden in den Konzern abgezogen. Nun will die UTA von Netway noch den hauseigenen Portalbetrieb, den Internetdomain-Vertrieb, die Bereiche Housing, Hosting und Security, das LAN- und WAN-Angebot, das E-Business-Prozessmanagement, das Grundbuchservice und das Trafiknet (ein Angebot für Trafiken mit Internetanschluss) übernehmen.

Mit diesen Angeboten will man vor allem im Großkundenbereich punkten. Dort sei die Marke UTA jedoch besser positioniert als Netway, begründet Schwertner die Auflösung der Zweitmarke.

Alles in allem positiv

Alles in allem zieht der UTA-Vorstand allerdings eine positive Bilanz über die im November 2000 erworbene Netway. Seinerzeit als Internet Service Provider übernommen, habe Netway die UTA zur klaren nur zwei am heimischen Internetmarkt bugsiert. Der Marktanteil der UTA im ISP-Bereich sei dank der Übernahme von davor 11 Prozent auf nunmehr 22 Prozent gestiegen. Außerdem habe die Netway-Übernahme der UTA mit Raiffeisen einen neuen Eigentümer und guten Kunden gebracht.

Die Raiffeisen-Gruppe hält seit dem Verkauf von Netway über die "Marea" Holding AG, an der auch die Uniqa-Versicherung beteiligt ist, neun Prozent am Telekom-Konzern. Schon im März wurde aus der Raiffeisen-Gruppe die Absicht verlautet, den Anteil an der UTA auf 25 Prozent aufzustocken. Die Verhandlungen sei derzeit noch im Laufen. Der Wunsch der Raiffeisen sei aber nach wie vor aufrecht, so Schwertner.

Die UTA selbst ist unterdessen weiter auf Restrukturierungskurs. Bis zum dritten Quartal strebt das Unternehmen auf Basis des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA), die Gewinnzone an. Beim Betriebsergebnis (EBIT) will die UTA Ende 2003 positiv sein, so Schwertner. In den ersten fünf Monaten 2002 liegt die UTA laut Vorstand beim Ergebnis auf Plan und beim Umsatz leicht darüber. Konkrete Zahlen wurden keine genannt.(APA)

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