"Sharons Politik ist ein Desaster"

14. Juni 2002, 11:03
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Israels Oppositionsführer Sarid fordert internationales Mandat für Nahost

Jerusalem/Berlin - "Ein Desaster" sieht Israels Oppositionsführer Yossi Sarid in der Politik von Premier Ariel Sharon. In einem am Donnerstag in der deutschen Tageszeitung "Die Welt" veröffentlichten Interview sagte der Chef des linksliberalen Meretz-Bündnisses: "Sharon hat keine Fehler gemacht. Er tut genau das, was er will, besitzt weder einen Friedensplan, noch hat er eine Ahnung, wie es politisch weitergehen soll. Er kennt nur die militärische Antwort auf den Terror, nicht die politische. Durch militärische Aktionen allein aber wird er nichts erreichen. Und der Westen verhält sich passiv."

"Sharon hat sich als völlige Fehlbesetzung herausgestellt. Nicht nur seine Politik gegenüber den Palästinensern, seine gesamte Politik ist ein Desaster. Wir leiden unter großer Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Talfahrt. Sharons Regierung hat keines dieser Probleme auch nur anpacken können. Seine Regierung ist die schlechteste seit Bestehen Israels. Dennoch ist Sharon so populär wie kein anderer Politiker in Israel. Die Erklärung dafür ist einfach: Sharon hat wunderbare Helfer. Einer davon heißt Yasser Arafat. Seit anderthalb Jahren arbeitet der in Sharons Hände", sagte Ex-Minister Sarid. "Der zweite Kollaborateur ist die Arbeiterpartei von Shimon Peres und Verteidigungsminister Benjamin Ben-Eliezer. Sie sitzt mit in der Regierung und gibt Sharon ein Alibi für seine Politik."

"Die einzige Chance ist, nicht auf die Personen zu setzen. Konkret bedeutet das, alles zu tun, um ein internationales Mandat in die Region zu bekommen. Die Situation in den palästinensischen Gebieten ist katastrophal. Israel hat die palästinensischen Gebiete quasi wieder besetzt, ohne die Verantwortung für sie zu übernehmen. Vor dem Friedensprozess waren wir die Besatzer, aber wir haben dafür gesorgt, dass es Schulen und regelmäßigen Unterricht, dass es eine wirtschaftliche Basis gab, auch wenn sie nicht gerade breit war. Heute gibt es das alles nicht mehr. Die Konsequenz daraus ist neuer Terror. Es liegt also in unserem Interesse, diese Lage zu verändern", so der Meretz-Chef. (APA)

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