Neue ÖBB-Struktur im Werden

13. Juni 2002, 16:12
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Verkehrsmarkt ist mit 70 Prozent Zuwachs größter Wachstumssektor - ÖBB nimmt 700 Fernreisewaggons in Betrieb

Wien - Im zweiten Halbjahr 2002 soll die neue ÖBB-Struktur "stehen". Zwischen Verkehrsminister Mathias Reichhold und Finanzminister Karl-Heinz Grasser (beide FPÖ) ist die Grundsatzentscheidung für eine Holdinglösung gefallen, jetzt muss aber noch der Koalitionspartner ÖVP dafür begeistert werden. Eine Spaltung der ÖBB in zwei eigene Gesellschaften für "Netz" und "Betrieb" dürfte damit vom Tisch sein.

Die Maastricht-Konformität der "ÖBB Neu" soll damit gewährleistet werden, dass die Schienenfinanzierungsgesellschaft Schig ihre Schulden zumindest teilweise (3,7 Mrd. Euro von dem Schuldenrahmen von knapp 16 Mrd. Euro) an die ÖBB überträgt und damit mindestens 50 Prozent ihrer hauptsächlich aus Zinsen bestehenden Kosten, wie dies die EU vorschreibt, dank der ÖBB-Erträge und des Schienenbenutzungsentgelts (zuletzt 220 Mill. Euro) aus "Markteinnahmen" verdient.

Verkehrsmarkt wächst

Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) richten sich auf einen wachsenden Verkehrsmarkt ein. 70 Prozent Zuwachs bis zum Jahr 2012 weisen den Verkehrsmarkt als am stärksten wachsenden Marktsektor aus. Die ÖBB wollen daran partizipieren und mehr motorisierten Individualverkehr auf die Schiene bringen. ÖBB-Vorstandsdirektor Ferdinand Schmidt ortet im Fernverkehr großen Nachholbedarf, der mit 20 Millionen Passagieren immerhin mehr als 10 Prozent der ÖBB-Fahrgäste betrifft. Nach der sogenannten "Nahverkehrsoffensive" (Doppelstockwaggons etc.) haben die ÖBB am Donnerstag renovierte Fernreisewaggons vorgestellt, von denen in den nächsten vier Jahren insgesamt 700 Stück der 1. und 2. Klasse in Betrieb genommen werden.

Verkehrsminister Mathias Reichhold (FPÖ) bezifferte bei der Vorstellung der ersten "EuroCity"-Garnituren am Wiener Westbahnhof die Investitionssumme mit 218 Mill. Euro und bezeichnete den Personenverkehr als "Visitenkarte der ÖBB". In den letzten Jahren sei der Fuhrpark im Personenverkehr vernachlässigt worden, indem Ersatzinvestitionen um mehr als 360 Mill. Euro unterblieben seien.

Lob für Fernreisewaggons

Am 16. Juni um 7.05 Uhr fährt der erste Zug mit den "EuroCity"-Garnituren vom Wiener Westbahnhof als Autoreisezug "Gustav Klimt" nach Feldkirch, ab 14. Juli werden die neuen Garnituren auch auf der Südbahn, von Wien nach Graz bzw. Villach, verkehren.

ÖBB-Generaldirektor Rüdiger vorm Walde bezeichnete die neuen Fernreisewaggons als Teil des ÖBB-Servicegedankens "Sicher, sauber, schnell, mit neuem Service". Dazu gehöre auch die Verkürzung der Reisezeiten, beispielsweise zwischen Wien und Salzburg in weniger als 3 Stunden oder eine Beschleunigung der Verbindung Wien-Feldkirch um 43 Minuten. Die Renovierung der Waggons erfolgte in den ÖBB-Werkstätten, an die laut Reichhold selbst große Konzerne Aufträge vergeben. (APA)

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