Promis für Haus der Geschichte

11. Juni 2002, 20:27
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Komitee unter Helmut Zilk hofft weiter auf das Palais Epstein

Wien - Nein, sie wollen es nicht hinnehmen, dass das traditionsreiche Palais Epstein am Ring zu einem Hort der Beamtenschaft umfunktioniert werden soll: "Das Palais Epstein ist ein Stück symbolträchtiger österreichischer Geschichte. Es gibt nichts Besseres", argumentierte Altbürgermeister Helmut Zilk, eben 75 geworden, Dienstag als Vorsitzender des "Proponenten-Komitees für ein Haus der Österreichischen Geschichte im Palais Epstein". Und: "Auch dem Parlament gebricht nichts, wenn es in gewisser Bescheidenheit agiert."

Zilk, die Historikerin Erika Weinzierl und der Wiener Städtische-Vorstandsvorsitzende Siegfried Sellitsch präsentierten jenes Komitee, das an den Bund appellieren will, seine Entscheidung zu überdenken. Schließlich geht es um ein Haus, das im Auftrag des jüdischen Mäzens Epstein von Theophil Hanen - und unter der Bauaufsicht von Otto Wagner errichtet wurde. Ein Palais, in dem der Bildungsreformer Otto Glöckel 1934 vom Schreibtisch weg verhaftet wurde. Das 1938 die Nazis okkupierten, in dem nach dem Krieg das sowjetische Militärkomando stationiert war.

Dieses Haus soll 2004 zur Büroburg werden? "Es hatte schon seinen Grund warum der Stadtschulrat ausgezogen ist", erinnert der frühere Stadtschulratspräsident Kurt Scholz an die mäßige Büroeignung. Und: "In Wien gibt es ein Hundemuseum, ein Ziegelmuseum, ein Zirkus- und Clownmuseum - aber kein Museum der Republik."

Weiters die Nähe zu Parlament, Justizpalast und Heldenplatz: "Alles was die freie Demokratie ausmacht, ist hier zusammengeballt", argumentiert Weinzierl.

Mit diesem Komitee hofft nun auch Leon Zelman, Leiter des Jewish Welcome Service, der als erster dafür kämpfte, dieses Haus sinnvoller zu nutzen: "Ein Wahrzeichen dieser Stadt kann das Palais werden. Ein Ort der Begegnung und ein Platz für die Jugend."

Weinzierl stellvertretend für Proponenten wie dem Rechtsanwalt Daniel Charim, der Volkstheater-Direktorin Emmy Werner, Museumsquartier-Chef Wolfgang Waldner, André Heller, Robert Menasse: "Ein Mensch, der sein Gedächtnis verliert, ist ein hilfloses Wesen. Für das Volk ist die Geschichte die Erinnerung." (frei/DER STANDARD, Printausgabe, 12.6.2002)

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