1. Etappe: Glomser zum Auftakt Dritter

13. Juni 2002, 16:39
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Gesamtführender nach dem Sieg im Einzelzeitfahren und einer anschließenden Kurzetappe ist der Schweizer Cancellara vom Team Mapei - Luttenberger Neunter

Reutte - Der Schweizer Fabian Cancellara aus dem Mapei- Nachwuchsteam trägt nach dem ersten Tag der 54. Österreich- Radrundfahrt das Gelbe Trikot. Der zweifache Junioren-Weltmeister gewann am Montag vormittag als Spezialist das Zeitfahren (Plansee- Reutte/11 km) und kam anschließend auf dem zweiten Abschnitt (Reutte- Reutte/67 km) mit dem Feld, zeitgleich mit Sieger Davide Bennati aus Italien, ins Ziel. Bestplatzierter Österreicher ist der Salzburger Gerrit Glomser als Dritter (+0:21). Peter Luttenberger hat als Neunter eine ideale Ausgangsposition für die kommenden Klettertouren.

Glomser war im Zeitfahren so wie auf der letzten Etappe der am Vortag beendeten Deutschland-Tour Dritter geworden, im Massensprint des folgenden Abschnitts hielt er sich wegen des gefährlichen Zieleinlaufs wie viele andere Fahrer zurück. "Ich habe überlebt", meinte ein Italiener stellvertretend für seine Kollegen nach dem Sprint auf der schmalen Straße am Reuttener Untermarkt, die zudem durch eine 50 Zentimeter breite Regenrinne aus Natursteinen geteilt wurde.

Die wegen enger Kurven ebenfalls nicht ungefährliche Zeitfahr- Strecke hatte mit einer rund drei Kilometer langen Abfahrt den "Downhiller" Glomser bevorzugt. Der 27-Jährige kam als Nummer eins Saecos zur Bank-Austria-Tour, doch über seine Chancen in der Gesamtwertung war er selbst unsicher. "Ich werde mein Bestes versuchen. Im Sprint kann ich mit allen mithalten, aber am Berg habe ich noch Probleme", erklärte Glomser, der im April/Mai wegen einer Darmentzündung vier Wochen hatte pausieren müssen.

Luttenberger sucht Hinterräder

Luttenberger weiß hingegen um seine Stärke. Nach einer Rennpause war das Zeitfahren zur vollsten Zufriedenheit des Wahl-Monegassen verlaufen. Obwohl er kein übergroßes Risiko eingegangen war, lag er 29 Sekunden vor seinen Landsleuten Hannes Hempel (29.) und Hans Peter Obwaller (30.), die sich ebenfalls Chancen auf den Gesamtsieg ausrechnen.

"Ich bin jetzt in einer Situation, in der ich nicht angreifen muss. Das gute Zeitfahren erlaubt mir eine kräfteschonende Fahrweise", erklärte der Tacconi-Profi im Nationaltrikot. Schließlich warten gleich nach der heimischen Rundfahrt die Tour de Suisse und dann die Tour de France. Er müsste nur das Hinterrad der Bergfahrer halten, um ins Gelbe Trikot zu kommen. Dieses Gesamtführung sollte er spätestens am Freitag erobert haben, um gegenüber seinem Team ein gewichtiges Argument für eine Weiterfahrt bis zum Ende zu haben. Denn am Sonntag sollte er eigentlich schon in der Schweiz antreten.

Für Cancellara war es der achte Erfolg, schon der sechste im heurigen zweiten Profijahr bei Mapei. Der 21-Jährige hat schon die Bank-Austria-Junioren-Tour gewonnen, nun wollte er auch in der richtigen Österreich-Rundfahrt dabei sein. Obwohl die Berge nicht seine Sache sind. Das Gelbe Trikot behielt er nicht zuletzt dank seiner Mapei-Kollegen, die am Nachmittag auf der Schleife um Reutte mit Abstecher nach Füssen in Deutschland erfolgreich den Ausreißer Stefan Rucker (Nationalteam) gejagt hatten.

Termindiskussion

Die kurzfristige Absage Marco Pantanis, der als Superstar der "Aufputz" der Rundfahrt gewesen wäre, ärgerte Organisator Rolf Slavik auch noch am Montag. Dagegen sei man als Veranstalter machtlos, er hoffe nur, dass der "Pirat" ein Ehrenmann sei und sein Antreten nächstes Jahr nachhole. Die im Vergleich zu den Vorjahren schwächere internationale Besetzung gibt Slavik freilich zu denken. Die zahlreichen Berge, Personalprobleme der Teams nach Kaderreduzierung, und vor allem der Termin, eingezwängt zwischen Deutschland-Tour und Tour de Suisse, nannte er als Gründe. Als Ausweg sieht er eine Verlegung der heuer neuerlich aufgewerteten Rundfahrt in den September. (APA)

  • 1. Etappe/1. Abschnitt (Einzelzeitfahren Am Plansee-Reutte/11 km):

    1. Fabian Cancellara (SUI/Mapei-Nachwuchs) 12:54,07 Minuten - 2. Jürgen Werner (GER/Nürnberger) 7,27 zurück - 3. Gerrit Glomser (AUT/Saeco) 21,74 - 4. Jewgenij Petrow (RUS/Mapei) 26,38 - 5. Marco Streel (BEL) 27,08 - 6. Patrick Sinkewitz (GER) 29,58 - 7. Boris Premuzic (SLO) 32,44 - 8. Peter Luttenberger (AUT/Nationalteam) 35,14 - 9. Fritz Berein (AUT/Elk Schrems) 35,58 - 10. Bernhard Eisel (AUT/Mapei) 36,52 ... 20.Martin Fischerlehner (AUT/Bikedrive Linz) 56,65 - 24. Christoph Kerschbaum (AUT/Nationalteam) 1:00,40 - 26. Martin Moser (AUT/Bikedrive) 1:02,42 - 29. Hannes Hempel (AUT/Bikedrive) 1:04,51 - 30. Hans Peter Obwaller (AUT/Nationalteam) 1:04,79 - 31. Jürgen Pauritsch (AUT/Nürnberger) 1:05,23 - 79. Maurizio Vandelli (ITA/Elk) 1:49,67

  • 2. Abschnitt (Reutte-Reutte/67 km):

    1. Davide Bennati (ITA) 1:32:38 Stunden - 2. Simone Cadamuro (ITA/De Nardi) - 3. Michel van Haecke (BEL/Landbouwkrediet) - 4. Bostjan Mervar (SLO) - 5. Petr Herman (CZE) - 6. Graziano Gasparre (ITA) - 7. Roland Wafler (AUT/Elk Schrems) - 8. Mariusz Kaminski (POL) - 9. Federico Giabbecucci (ITA) - 10. Werner ... 15. Bernhard Eisel - 16. Ralph Scherzer (AUT/Elk) - 18. Cancellara - 19. Peter Pichler (AUT/VB Vorarlberg) - 20. Jochen Summer (AUT/VB Vorarlberg) - 26. Glomser - 27.Luttenberger, alle gleiche Zeit - Nicht angetreten: Jürgen Pauritsch (AUT), Christian Wegmann (GER)

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