"Der Aufschwung kommt nicht"

10. Juni 2002, 19:21
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Werbefestival-Chef beurteilt Konjunkturchancen skeptisch - Sachgüterproduktion nach Wifo-Angaben zögerlich

Wien - Wenig Hoffnung auf einen konjunkturellen Aufschwung hat Franz Prenner, früherer Geschäftsführer der ORF-Werbetochter Enterprise und seit Jahresbeginn Chef des Internationalen Werbefestivals in Cannes. "Der Aufschwung kommt nicht", sagt er in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "profil" (aktuelle Ausgabe). Diese Einsicht habe sich zuletzt bei der Generalvertretung der European Group of Television Advertising, dessen Präsident Prenner ist, bestätigt.

Der Einbruch nach dem Rekord-Werbejahr 2000 sei von Dauer. Die durch New Economy und Telekommunikation entfachte Euphorie sei vorbei und "keine Themen in Sicht, die diese Lücke schließen könnten", so Prenner. "Die werbenden Unternehmen haben ihre Ausgaben reduziert und letztlich nicht verloren, weil alle mitgezogen sind. Warum um alles in der Welt sollten die jetzt freiwillig wieder mehr ausgeben?" Die Fusionswelle am Werbeagenturmarkt beurteilt Prenner ebenfalls skeptisch. Er habe den Eindruck, dass viele Unternehmen "kleine, dynamische Agenturen den großen Konzernen vorziehen", sagt er. "Ich rechne auch damit, dass einige dieser ganz großen Agenturen a la longue wieder zerfallen."

Sachgüterproduktion stagniert

Die Sachgüterproduktion in Österreich stagnierte nach vorläufigen Zahlen im ersten Quartal 2002 auf dem Vorjahresniveau. Die Bauproduktion ging in den Wintermonaten massiv zurück, während Einzelhandel (ohne Kfz) und Großhandel sich leicht erholten, resümiert das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) seine Konjunkturanalyse im bisherigen Jahresverlauf. Kräftige Rückgänge von real fünf Prozent gab es in den ersten drei Monaten dagegen beim Kfz-Handel.

Die Wirtschaftsforscher erwarten eine weiterhin zögernde Konjunkturerholung. Bereits seit mehr als einem halben Jahr wachse aber die Zuversicht der Unternehmen. Die Einschätzung der aktuellen Lage habe sich im April und Mai zwar nicht verbessert, die Aussichten für einen Aufschwung der Industriekonjunktur in den kommenden Monate werden jedoch weiterhin positiv beurteilt.

Investitionen schwach

Die Investitionstätigkeit der Unternehmen blieb im ersten Quartal sehr schwach. Das spiegle sich vor allem in einer nominellen Verringerung der Importe von Maschinen und Verkehrsmitteln wieder. Lichtblick blieb der Tourismus, wo die Umsätze in der Wintersaison um 4,5 Prozent zunahmen.

Auf dem Arbeitsmarkt sei noch keine Trendwende zu erkennen, so die Wifo-Experten. Die offizielle Statistik wies im Mai 3,155.600 unselbstständig Beschäftigte aus, um 5500 mehr als vor einem Jahr. Ohne die Bezieher von Kindergeld mit aufrechtem Dienstverhältnis, die darin enthalten sind, und ohne Präsenzdiener sank die Zahl der Arbeitsplätze gegenüber dem Vorjahr aber um 11.600. Vor allem in der Sachgüterproduktion und in der Bauwirtschaft steigt die Arbeitslosigkeit. Der Mitarbeiterabbau bei Post, Telekom und ÖBB erfolgte "überwiegend zulasten von Pensionszahlungen". (APA)

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Wifo

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