Neues Licht auf Robinson Crusoe

9. Juni 2002, 20:00
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"Seltsame Abenteuer von Henry Pitman" sollen die wahre Inspirationsquelle gewesen sein

London - Der englische Arzt Henry Pitman, der wegen Rebellion gegen den König in die Karibik verbannt wurde, war nach einer neuen Studie das Vorbild für Robinson Crusoe, den Romanhelden von Daniel Defoe (1660- 1731). Demnach hat man bisher den Schotten Alexander Selkirk, der vier Jahre auf einer einsamen Insel vor Chile überlebte, zu Unrecht für Defoes wichtigste Inspirationsquelle gehalten.

Der Schriftsteller habe vielmehr zahlreiche Details aus einem 1689 erschienenen Erlebnisbericht Pitmans übernommen, berichtet der Reiseautor Tim Severin in der "Sunday Times". Auch die Idee für den Eingeborenen Freitag stamme daher.

Aus einem von Severin entdeckten Exemplar des Buches geht hervor, dass Pitman in London in demselben Haus wohnte wie Defoes Verleger John Taylor, der 1719 die erste Ausgabe des "Robinson Crusoe" veröffentlichte. Severin vermutet deshalb, dass sich Pitman und der Schriftsteller gekannt haben müssen. Der Defoe-Experte James Kelly bezeichnete Severins Arbeit als bedeutenden Forschungsbeitrag.

Pitman beteiligte sich 1685 an einer Rebellion gegen König Jakob II. und wurde deshalb in die Karibik verschifft und unter erbärmlichen Bedingungen festgehalten. Es gelang ihm jedoch, in einem kleinen Boot zu fliehen, doch seine Reise endete auf der unbewohnten Insel Salt Tortuga vor der Küste Venezuelas. Nach seiner Rettung und Rückkehr nach England veröffentlichte der Arzt den Bericht "Seltsame Abenteuer von Henry Pitman". (APA/dpa)

  • Zu schön, um es Ihnen vorzuenthalten: "Robinson Crusoe on Mars", ein englischer Film von 1964
    foto: paramount

    Zu schön, um es Ihnen vorzuenthalten: "Robinson Crusoe on Mars", ein englischer Film von 1964

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