Villacher Frauenarzt festgenommen

7. Juni 2002, 18:55
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Arzt soll tausende Krebstests nicht an das Labor weitergeleitet haben

Klagenfurt - Ein Villacher Frauenarzt steht unter schwerem Verdacht: Er soll Tausende Krebstests nicht an das Labor weitergeleitet haben. Der Mediziner befindet sich laut Gerichtssprecher in Untersuchungshaft.

Gebärmutterkrebspatientinnen

Im Zuge der Überprüfung von Frauen mit Gebärmutterkrebs wurde festgestellt, dass es sich vermehrt um Frauen handelt, die Patientinnen des Villacher Gynäkologen sind. Das Land Kärnten erstattete daraufhin Anzeige. Als bei einer von der Staatsanwaltschaft Klagenfurt angeordneten Hausdurchsuchung in der Ordination des Arztes Tausende Abstriche gefunden wurden, wurde über den Villacher die Untersuchungshaft verhängt.

Arzt wurde Berufsausübung untersagt

Der Kärntner Gesundheitsreferent LHStv. Peter Ambrozy (S) und der Präsident der Ärztekammer, Othmar Haas, teilten mit, es bestehe der begründete Verdacht, dass es der freiberuflich tätig gewesene Villacher Gynäkologe seit dem Jahr 1998 unterlassen hat, zytologische Abstriche von mehr als 1.000 Patientinnen zur Untersuchung an ein entsprechendes Labor weiterzuleiten.

Betroffene Frauen werden benachrichtigt

Ambrozy hat der zuständigen Abteilung der Kärntner Landesregierung unmittelbar nach Bekanntwerden des Verdachts sogleich den Auftrag erteilt, dem Verdächtigen per Bescheid die Berufsausübung zu untersagen. Das Land wird die betroffenen Frauen in einem gemeinsamen Brief mit der Ärztekammer so rasch wie möglich über den Sachverhalt informieren. "Sollte sich der Verdacht bewahrheiten, wäre dies ein unfassbarer Skandal", dazu Ambrozy. "Wir müssen jetzt alles tun, damit die betroffenen Frauen rasch Information und Sicherheit bekommen."

Haas betonte, dass die Kärntner Ärztekammer ein derartiges Fehlverhalten "weder verteidigen noch tolerieren" werde, sollte sich der Verdacht als wahr herausstellen: "Wir haben alle niedergelassenen Gynäkologen in der Umgebung des Arztes dringend ersucht, bei Bedarf die Ordinationszeiten auszuweiten, um möglicherweise geschädigte Patientinnen rasch behandeln zu können", teilte der Präsident mit. Die Ärztekammer sei als Standesvertretung zwar für die Wahrnehmung der Interessen der Ärzte zuständig, das höherwertige Gut sei aber das Wohl der Patienten, betonte Haas: "Und danach werden wir handeln." (APA)

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