Massensterben durch 100.000 Jahre andauernden Vulkanismus?

6. Juni 2002, 20:01
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Es muss nicht immer ein Asteroid gewesen sein - alternative These zur "Großen Auslöschung" vor 250 Millionen Jahren

Washington- Flüssige Lava und anderes Gestein quoll aus dem Boden Sibiriens, aus riesigen Blasen stiegen giftige Dämpfe und Gase in die Atmosphäre auf und veränderten dramatisch das Klima. Jahr um Jahr, weit über 100.000 Jahre lang wiederholte sich dies Schauspiel, bis schließlich eine Fläche halb so groß wie Australien eineinhalb Kilometer hoch mit einer erkalteten vulkanischen Schicht bedeckt war.

So oder ähnlich stellen sich die Autoren einer in der Zeitschrift "Science" veröffentlichten Studie das Szenario vor, dem vor 250 Millionen Jahren der größte Teil des Lebens zum Opfer fiel. Fest steht, dass damals, an der Wende vom Erdaltertum (Paläozoikum) zum Erdmittelalter (Mesozoikum), 90 Prozent aller damaligen Wassertiere und 70 Prozent aller Landtiere zu Grunde gingen.

Ein Ende als Anfang

Diese nach den Epochen Perm und Trias als permisch-triassische Auslöschung bezeichnete Katastrophe schuf gleichzeitig die Voraussetzung für den nun beginnenden Siegeszug der Dinosaurier, bis diese dann 185 Millionen Jahre später ebenfalls einer globalen Naturkatastrophe zum Opfer fallen sollten, um den Weg frei zu machen für die Herrschaft der Säugetiere.

Bohrungen im Bereich der so genannten Sibirischen Tafel ergaben, dass die bereits bekannte vulkanische Tätigkeit mindestens zwei Mal so stark war und doppelt so lang dauerte, wie bisher angenommen. Durch diese Vulkantätigkeit entstanden im gesamten Nordwesten der Sibirischen Tafel die so genannten Trappdecken.

Die neuen Bohrungen ergaben nun, dass das vulkanische Material, dass sich weit unter den Trappdecken befindet, von der gleichen Art ist wie das der Trappdecken selbst. Dies deutet nach Ansicht der britischen und schottischen Geologen darauf hin, dass die vulkanische Tätigkeit damals viel intensiver war und länger dauerte und so eine massive Klimaveränderung hervorrief, die zu dem Massensterben geführt haben könnte.

Die herkömmliche Theorie

Bisher war von einigen Wissenschaftern die Theorie vertreten worden, dass der Einschlag eines riesigen Meteoriten das Sterben verursacht habe, ähnlich dem, der von einigen Wissenschaftlern für das Aussterben der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren verantwortlich gemacht wird. Kritiker dieser Theorien haben aber darauf hingewiesen, dass ein Aussterben durch einen einzigen großen Schlag, das dann auch innerhalb weniger Jahre hätte abgeschlossen sein müssen, wenig wahrscheinlich ist. Fossile Funde deuten vielmehr darauf hin, dass der Prozess des Aussterbens sich über einen Zeitraum von mehreren hunderttausend Jahren hingezogen hat, während derer eine Spezies nach der anderen vom Erdboden verschwand. (APA/AP)

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