Telekom-Boom in EU-Beitrittskandidaten-Ländern

5. Juni 2002, 16:58
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Studie: 16,3 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2002 - Mobilfunk wird bereits 2003 Festnetz überflügeln

In den Telekommärkten der EU-Beitritts-Kandidaten steckt enormes Potenzial. Laut einer vom Beratungsunternehmens Arthur D. Little vorgestellten Studie werden die Umsätze aller Festnetz-, Mobilfunk- und Datendienstanbieter im heurigen Jahr auf 16,3 Milliarden Euro wachsen, das ist eine Steigerung um 13 Prozent gegenüber 2001. Die Telekomwirtschaft wächst damit in den EU-Beitrittsländern doppelt so schnell wie in der Europäischen Union, wo in diesem Jahr ein Umsatzwachstum von knapp sieben Prozent erwartet wird. Das größte Wachstumspotenzial liegt dabei im Mobilfunk, wo Umsatz-Steigerungsraten von 20 Prozent erwartet werden. Das ist um 50 Prozent mehr als der EU-Durchschnitt. Trotzdem werde rund die Hälfte der zehn großen westeuropäischen Telekos ihr Osteuropa-Engagement vorerst wieder auf Eis legen.

Mobilfunk groß im Kommen

Die Umsätze der Mobilfunkbetreiber in den zentral- und osteuropäischen EU-Beitrittsländern werden dieses Jahr voraussichtlich auf knapp acht Mrd. Euro wachsen. Für die Zukunft erwartet Arthur D. Little in CEE eine zunehmend dominierende Stellung der Mobilfunkbetreiber gegenüber den Festnetzanbietern. 2003 werden sie mit über neun Mrd. Euro bereits knapp 20 Prozent mehr Umsatz erwirtschaften als die Festnetzanbieter. In der EU selbst ist es umgekehrt. "Die Anzahl der Festnetzanschlüsse steigt kaum, da der Ausbau, aber auch die Modernisierung der Festnetzinfrastruktur, deutlich aufwändiger sind als der Ausbau von Mobilfunknetzen", so der Telekom-Spezialist und Arthur D. Little-Verantwortliche für Zentral- und Osteuropa, Georg Serentschy. Die Penetration sei allerdings sehr unterschiedlich. "Während in Slowenien bereits 76 Prozent, in Tschechien 71 Prozent und in Ungarn 54 Prozent der Bevölkerung mobil telefonieren, sind es in Bulgarien und Rumänien nur 19 Prozent."

Kein Land gleicht dem anderen

Die Studie ortet mit dem Rückzug westlicher Telkos noch einen weiteren interessanten Trend. Grund dafür seien eine Reihe von strategischen Fehlentscheidungen sowie Fehleinschätzungen über die einzelnen Märkte. "Der größte Fehler war, dass internationale Telekomunternehmen den zentral- und osteuropäischen Raum als einen homogenen Wirtschaftsraum gesehen haben. In Wirklichkeit aber gleicht kein Land dem anderen", so Serentschy. "Nur jene Unternehmen, die ihre Geschäftsaktivitäten an jedes Land einzeln anpassen, werden in Zentral- und Osteuropa erfolgreich sein."

Kaum neues Geld

Generell, so Serentschy, hängt die Rückzugswelle dieser Unternehmen mit der globalen Restruktuierung der gesamten Telekom-Branche zusammen. Neues Geld für neue Investitionen im Telekombereich sei schwer zu bekommen. Dabei wären die ehemals staatlichen beziehugsweise noch-staatlichen Telekomunternehmen wie etwa die tschechische Cesky Telecom, die ungarische Matav oder die Slowenische Telekom, die großteils profitabel sind, zu relativ niedrigen Preisen zu haben. Diese Entwicklung öffne Finanzinvestoren Tür und Tor. "Sie kommen mit sehr genauen Vorstellungen und präzise vorgeplanten Exit-Strategien nach Zentral- und Osteuropa. Manchmal holen diese Finanzinvestoren westeuropäische Telekomunternehmen mit einer geringen Beteiligung mit an Bord, um sich deren technisches Know-how zu sichern." Viele dieser Telkos würden allerdings mit den Finanzinvestoren im engen Kontakt bleiben, um nach einer Erholung erneut als Mehrheitseigentümer nach Zentral- und Osteuropa zurückkehren können. (pte)

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