Foltervorwürfe gegen Le Pen veröffentlicht

4. Juni 2002, 12:29
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"Le Monde" zitiert ehemalige Aktivisten der algerischen Befreiungsfront

Paris - Die Pariser Tageszeitung "Le Monde" hat eine Reihe von Zeugenaussagen veröffentlicht, in denen der Chef der rechtsextremen "Nationalen Front" (FN), Jean-Marie Le Pen, der Folter während des Algerienkriegs (1954-1962) beschuldigt wird. Der FN-Chef, der im Algerienkrieg Leutnant der Fallschirmjäger war, bezeichnete den Artikel der Zeitung als "Appell zum Mord". Die darin behaupteten Fakten seien "reine Einbildung" und "vom Anfang bis zum Ende eine Diffamierung", so Le Pen.

"Le Monde" veröffentlicht insbesondere die Aussagen von Mohamed Abdellaoui, einem ehemaligen Aktivisten der algerischen Befreiungsfront FLN, der von den französischen Fallschirmjägern im Februar 1957 verhaftet worden war. Er sei zwei Männern vorgeführt worden, die er als den General Paul Aussaresses und Jean-Marie Le Pen identifiziert. Aussaresses sorgte in Frankreich bereits durch ein Buch, in dem er die Anwendung der Folter in Algerien rechtfertigte, für großes Aufsehen.

Foltervorwürfe

Le Pen habe ihn durch Elektroschoks und Schläge gefoltert, erklärte Abdellaoui gegenüber "Le Monde". Le Pen habe ihm ein Handtuch aufs Gesicht gelegt und General Aussaresses habe Wasser darauf gegossen. "Mein Bauch wurde riesig. Le Pen hat sich auf mich gestellt. Das Wasser floss mir aus dem Mund und aus der Nase. Ich wurde ohnmächtig", erzählte der ehemalige FLN-Aktivist.

Ein weiterer Zeuge, Abdelkader Ammour, berichtete, dass er mit weiteren drei Algeriern im Wohnhaus Le Pens gefoltert worden sei. Er sei von Le Pen und "seinen Männern" am ganzen Körper mit elektrischen Kabeln gefoltert worden. Anschließen hätten sie ihm einen Scheuerlappen aufs Gesicht gelegt und gezwungen, das Schmutzwasser der Toilette zu trinken, so Ammour. "Le Pen saß auf mir. Er hielt den Lappen, während ein anderer die Flüssigkeit ausgoss. Ich höre ihn noch schreien: 'Mach weiter, mach weiter, hör nicht auf!'", sagte Ammour. Ein weiterer Zeige, Moustapha Merouane, erklärte, dass Le Pen selbst bei der Folter mit Elektroschocks den Schalter betätigt habe.

Le Pen: "Falschaussagen"

Am Sonntagabend dementierte Le Pen im Nachrichtensender LCI, jemals jemanden gefoltert zu haben. "Le Monde" habe den Artikel "mit der Komplizenschaft der algerischen Geheimdienste" verfasst. Es handle sich "im wesentlichen um Falschaussagen von Aktivisten und Terroristen der FLN, die bereits neun Mal gerichtlich verurteilt wurden", betonte der FN-Chef. Die Reportage stelle eine "indirekte Apologie des Terrorismus" dar, fügte der rechtsextreme Politiker hinzu. Eine Woche vor der Parlamentswahl vom kommenden Sonntag stelle dieser Artikel überdies eine "Manipulation" dar, so der FN-Chef.(APA)

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