Pleitejahr 2001

3. Juni 2002, 13:26
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Insolvenzen nahmen in Westeuropa um sieben Prozent zu - In Österreich 0,2 Prozent rückläufig

Wien - Mehr Unternehmen als erwartet haben im Jahr 2001 weltweit ihre Insolvenz anmelden müssen. Gegenüber dem Jahr davor haben die Insolvenzfälle in Westeuropa um 7 Prozent zugenommen, in Osteuropa betrug der Anstieg sogar 80 Prozent. In den USA mussten im "Rekordjahr" 1,49 Mill. Unternehmen ihre Zahlungsunfähigkeit erklären, die Zunahme von 19 Prozent liegt deutlich über der Steigerungsrate von Kanada (+5,5 Prozent) oder Japan (+1,9 Prozent).

Österreich verzeichnete mit minus 0,2 einen leichten Rückgang der Insolvenzen, meldet der Kreditschutzverband von 1870 heute, Montag. Insgesamt 8.777 (2000: 8.796) hätten hierzulande - einschließlich abgewiesener Konkursanträge - ihren Konkurs erklärt. Generell seien die Angaben auf Grund unterschiedlicher Insolvenzgesetzgebungen nur bedingt vergleichbar, so der KSV.

Irland mit 33 Prozent Zunahme

In Westeuropa führt Irland mit einer Zunahme um 33,1 Prozent die Insolvenzstatistik an, in absoluten Zahlen nehmen sich die 458 (nach 344) insolventen Unternehmen relativ gering aus. Deutlich mehr Pleiten gab es 2001 auch in Dänemark (+32,3 Prozent), Finnland (32,2 Prozent), Portugal (+31 Prozent), den Niederlanden (+28,3 Prozent) und Deutschland mit beachtlichen 26,7 Prozent.

Für diese Zunahme seien in erster Linie der stärkste Exporteinbruch seit 1982 sowie ein starker Rückgang im Privatkonsum verantwortlich, meinen die Experten des KSV. Nach einem Anstieg der Privatkonkurse sei heuer wieder mit einem Ansteigen der Unternehmenszusammenbrüche vor allem in Westdeutschland zu rechnen. Großinsolvenzen wie Philipp Holzmann, Fairchild Dornier und die Kirch-Gruppe seien nur die Spitze eines Eisbergs.

Relativ moderate Zuwachsraten bei den Unternehmenspleiten gab es etwa in Schweden (+9,5 Prozent) oder Großbritannien (+1,2 Prozent). Spitzenreiter unter den wenigen Ländern mit einer rückläufigen Insolvenzentwicklung ist Spanien mit minus 30,4 Prozent, gefolgt von Belgien (-12,8 Prozent), Frankreich (-4,7 Prozent) und die Schweiz, wo die Zahl der Pleiten trotz spektakulärer Fälle wie Swissair und Moulinex um 1,9 Prozent zurückging.

Eine eigene Kategorie bilden die Reformländer Mittel- und Osteuropas, wo die Slowakei und Rumänien mit Zunahmen von 369 und 388 Prozent absolute Spitzenwerte erreichten. Der unterschiedliche Verlauf der Umstrukturierungen lässt die Werte aber stark abweichen: In Polen gingen 2001 um 36,3 Prozent mehr Unternehmen in die Pleite, in Ungarn 14,6 Prozent und in Slowenien 9,9 Prozent, während Bulgarien einen deutlichen Rückgang von 81,4 Prozent verzeichnete. In Tschechien gab es um 1,7 Prozent weniger Insolvenzen.(APA)

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