Neue CDs: Ein Veteran und fünf Debütanten

2. Juni 2002, 21:44
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Der ehemalige Vorstand des American Music Club aus San Francisco hadert. Das Motto von Desaparecidos hingegen: Let's take some drugs and drive around.

MARK EITZEL Music For Courage & Confidence (Hoanzl)

Der ehemalige Vorstand des American Music Club aus San Francisco hadert. Seit seinem Solo-Highlight West von 1997 gelingt ihm kein Album so richtig: Planlose Ausflüge in die Elektronik scheiterten ebenso wie halbinspirierte Balladen an der Grenze zur Selbstzerfleischung. Nun versucht es der offensichtliche Zwillingsbruder von Sofa Surfer Wolfgang Schlögl mit einem reinen Coverversionen-Album und zumindest die Auswahl beweist, dass der Mann prinzipiell ein Guter ist. Doch seine Versionen von Do You Realy Want To Hurt Me (Culture Club) oder Ain't No Sunshine (Bill Withers) bleiben halbherzige Versuche. Gelungener kommt da schon Kris Kristoffersons Alko-Melancholiker-Studie Help Me Make It Through The Night auf den Punkt und selbst eine ziemlich gewagte Move On Up-Adaption des Curtis Mayfield-Klassikers geht sich aus. Trotzdem, das, was der Handel so unverblümt "Verkaufsargument" nennt, findet sich auf diesem Album nicht. Ein Werk für unerschrockene Fans und vergleichbare Minderheiten.



DESAPARECIDOS Read Music/Speak Spanish (Ixthulluh)

Aus dem nicht gerade als attraktive Metropole bekannten Omaha, Nebraska, stammt das Quintett mit dem eher unaussprechlichen Namen Desaparecidos. Dafür besitzen die Jungspunde jenen Zorn und jenen Geist zur Veränderung, der nur in Provinzkaffs als kreativer Antriebsmotor entstehen kann: Nichts zu tun, außer sich zu betrinken oder stoned zu werden: "Let's take some drugs and drive around." Die Nachbarn sind inzestuös Zurückgebliebene, die Zukunftsaussichten ein schwarzes Loch. Diese Negativenergie wird über Gitarrenverstärker am Anschlag umgeleitet, von Conor Oberst schlecht gelauntem Gesang formuliert und der Welt ins Gesicht gespien: Spröder als die vergleichbaren Jungs vom Black Rebel Motorcycle Club, aber mindestens ebenso energetisch, findet hier eine zornige Reinkarnation des US-amerikanischen Hardcore der 80er statt. Keine Daumenlutscher wie die New Yorker Boygroup Strokes, sondern fiese Stinkefinger und böser Rock'n'Roll im Geiste seiner Erfinder. Schwere Empfehlung!

flu

derStandard/rondo/17/05/02

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