Blick auf Blumenwiesen

2. Juni 2002, 21:37
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Frühlingsdüfte: Wenn sie sich nicht von selbst ergeben, weil wir Zwiebeln schneiden, statt Natur zu tanken, dann wollen wir sie wenigstens aus dem Flakon. Vor allem, wenn sie so empfehlenswert sind wie die fünf Favoriten aus der Parfümerie.

Frühling riecht nach frischer Luft, erblühenden Sträuchern, ausschlagenden Bäumen, nach warmer Haut, grüner Wiese, Sonne, frischer Erde, Jugend. Frühling duftet. So hätten wir das zumindest gern. Jeder weiß, dass die Welt nicht überall so angenehmen Wohlgeruch verströmt. Weder im Frühling noch während der übrigen Jahreszeiten. Macht aber nichts. Weil Frühling in Wahrheit genauso nach Benzin, Schweiß, Großreinemachen, Staub, beißendem Rauch, unaufgeräumten Küchen, angebrannter Zwiebel riecht oder stinkt, bleibt uns immer noch die Möglichkeit, uns die Illusion des Frühlings, wie wir ihn gerne hätten, in Form eines entsprechenden Duftes - Wohlgeruchs auf die Haut zu sprühen. Richtig geduftet ist halb gewonnen - in vielerlei Hinsicht, könnte man behaupten. Immerhin beeinflussen Gerüche das Lebensgefühl recht unmittelbar.

Evolutionsgeschichtlich, heißt es, ist der Geruchssinn älter als der Hör- und der Sehsinn. Auch in der Entwicklung des Menschen steht er ganz oben, darf man Experten Glauben schenken: Ein Fötus kann demnach schon im fünften Monat sein Fruchtwasser riechen. Und während beim Hören und Sehen der denkende Teil des Gehirns sich einmischt, leiten ungefähr zehn Millionen Riechzellen in der Nase Duftmoleküle ungehindert und ungefiltert weiter an das limbische System, den Teil des Gehirns, der für sinnvolles Reagieren auf und Interagieren mit der Umwelt und anderen Lebewesen zuständig ist. Unbewusst werden hier Düfte mit Gefühlen in Verbindung gebracht und im Gehirn gespeichert.

Zunächst sind es wohl die Düfte der Natur, die als angenehme Frühlingserinnerungen abgespeichert sind. Veilchen, Tulpen, Märzenbecher, Schlüsselblumen, Maiglöckchen, wilder Bärlauch, Jasmin etc. verströmen ihre Noten, die selbst abgebrühte Nasen nicht unberührt lassen. Letztendlich ist der Zweck des Duftens in der Pflanzenwelt - für ihre Fortpflanzung Sorge zu tragen - wohl recht ähnlich dem Ansinnen der Menschen, (auch das jeweils andere Geschlecht) auf sich aufmerksam zu machen, denn sich gut riechen zu können darf als wesentliche Voraussetzung dafür gelten, sich näher zu kommen.

Allgemeinen Willen zu Aufbruch bei Mensch und Natur lässt auch die Duftindustrie nicht ungenützt verstreichen und stellt im Frühling neue Kreationen vor (ohne sie per definitionem als Frühlingsdüfte zu vermarkten).

Die Kriterien:

Unser Testteam, bestehend aus drei erwachsenen und einer jugendlichen Dame sowie einem Herrn, hat sich von Fachmenschen vorwiegend neue Düfte vorschlagen lassen, um sie auf ihr Potenzial zu prüfen, als Begleiter für diese Jahreszeit zu fungieren. Die Testrunde hatte die Düfte zu riechen, ohne zunächst zu wissen, um welches Produkt, und ob für die Damen- oder die Herrenwelt vorgesehen, es sich handelt. Danach wurde frei assoziiert. Überraschenderweise hatte die Runde eine einhellige Vorstellung davon, wie Frühling zu duften hat.

Dementsprechend gab es kaum Auffassungsunterschiede darüber, welche von den zur Auswahl stehenden Düften (Chanel Coco Mademoiselle; Celine; Thierry Mugler Cologne; Costume National; Be 21 Orlane; Escada Sexy Graffiti; Amouage Cologne; Armani mania; Loewe pour homme; Tommy Hilfiger "T"; Aqua di Parma Mediterraneo "Quercus Marina"; Naomi Campbell Exult) geeignet sind, speziell im Frühling getragen zu werden, diese Jahreszeit heraufzubeschwören und zu verkörpern. Die nicht zu Favoriten-Ehre gelangten Düfte wurden ziemlich schnoddrig als frühlingsungeeignet abgekanzelt. Im Folgenden die fünf Favoriten unter den Kandidaten.

-->Die Ergebnisse:

Von Regina Bruckner
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