Traubenkernöl

12. Mai 2002, 21:07
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Bisher wurde Traubenkernöl ja in erster Linie von jenen verwendet, denen irgendwelche ominösen Heilwirkungen im Schattenbereich der Nachweisbarkeit wichtiger waren als so etwas Schnödes wie guter Geschmack. Zu bekommen war es in Reformhäusern, und entsprechend teuer war das flüssige Fett aus den kleinen Körnderln auch, und das, obwohl es in den meisten Fällen aus industrieller Produktion (Spanien) stammte und dort gnadenlose Raffinier-Prozesse zu durchlaufen hatte. Kein Wunder, dass dieses Thema den Erwin Gegenbauer, hauptberuflicher Essig- und Öl-Maniac zu Favoriten, reizte: Er fand einen Winzer im Burgenland, der die Traubenkerne in Miniaturproduktion zu Öl zerquetschte, in einer winzigen Presse, die irgendeine Beschädigung des Pressgutes erst gar nicht ermöglichte, weshalb in dem grüngelben, satten Öl nicht nur alle etwaigen Wirkstoffe, sondern eben noch jede Menge großartiger Geschmack drinsteckt: Der Traubengeschmack ist nachvollziehbar, dazu kommt aber noch eine seltsam nussige Leinsamen-Note, und zwar mit irrsinnig langem Nachgeschmack. Im Herbst wird Stufe zwei des Projektes gestartet, da wird dann sortenreines TKÖ aus Blaufränkisch und Chardonnay gepresst.

floh

derStandard/rondo/10/5/02

Traubenkernöl, Gegenbauer Ölstand, Naschmarkt Stand 111-114, 1040 Wien
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