Beschneiderinnen geben ihre Messer ab

2. Mai 2002, 18:17
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Guinea gilt als vorbildlich im Kampf gegen die Frauenverstümmelung

Mamou - Vor 60 Jahren hatte Koumba Tenin Barry das Amt der Beschneiderin von ihrer Mutter übernommen. Mit Tränen in den Augen gab die 72-Jährige nun ihr Messer ab. „Im Namen der Gesundheit der Mädchen“ werde sie nie wieder eine Beschneidung vornehmen, versprach sie.

Mit ihr folgten 300 Frauen in Guinea (Westafrika) dem Aufruf einer Nichtregierungs organisation, die gegen die gefährliche Genitalverstümme lung kämpft. In den Orten Mamou und Dalaba nahmen die Beschneiderinnen mit ei nem Fest öffentlich Abschied von der brutalen Praxis, mit der sie ihr Geld verdienten.

Rund 3000 Zuschauer kamen zu der Zeremonie, die von Marimbaklängen und Tänzen der Fulbe-Nomaden begleitet wurde. „Beschnei dung: Quelle der Ansteckung mit Sexualkrankheiten und Aids“, verkündete ein Trans parent, ein anderes: „Schützt unsere Kinder vor traditionel- len Praktiken.“Aufklärung wirkte Sie hätten nicht gewusst, dass die Beschneidung eine „Quelle des Unglücks“ für Frauen sei, versicherten die Beschneiderinnen.

Geld und Naturalien als Entschädigung

Aufklärung brachte sie schließlich dazu, ihre Arbeitswerkzeuge im Hof des Kulturzentrums von Mamou abzulegen. Als Entschädigung bietet die Regierung Geld und Natu ralien. Umgerechnet rund 3500 Euro sowie 30 Tonnen Reis, drei Tonnen Öl und an dere Güter sollen den 300 ar beitslos gewordenen Frauen eine wirtschaftliche Alterna tive bieten.

Mit ihrem Verhalten sagten die Beschneiderinnen „Nein zur Unfruchtbarkeit, Nein zu Infektionen, Nein zu Komplikationen in der Schwanger schaft, Nein zur Frigidität und Ja zum Recht der Frauen auf körperliche und seelische Un versehrheit“, erklärte Doktor Morissandan Kouayte.

Praxis ist in 12 afrikanischen Ländern verboten

Er ist Direktor des „Interaf rikanischen Komitees für den Kampf gegen unheilvolle tra ditionelle Praktiken“, einer Dachorganisation der damit befassten Vereinigungen. Laut Kouayte ist die Praxis inzwi schen in zwölf afrikanischen Ländern verboten.

Dass ein Gesetz nicht auto matisch zur Einsicht führt, ist den Organisatoren bewusst. Doch seit 1999 werden immer mehr Messer zurückgelegt. Zwei Drittel der früheren Be schneiderinnen in Guinea hal ten sich inzwischen an das Verbot, schätzt Kouayte. (AFP,red DER STANDARD Print-Ausgabe 3.Mai 2002)

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