"Ich habe es nicht bereut"

26. April 2002, 06:00
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Rounder Girl Tini Kainrath spricht im dieStandard-Interview über Reaktionen auf die "weibliche" Bundeshymne, persönliche Folgen - und warum sie den Text überhaupt geändert hat

Die Posting-Wellen schlugen hoch nach Tini Kainraths Einsatz für Österreichs „große Töchter“ beim Singen der Bundeshymne zur Eröffnung des Fußball-Länderspiels Österreich-Kamerun. Nachdem sich ÖFB-Präsident Stickler auch noch öffentlich dafür entschuldigte, entschied sich dieStandard.at, bei dem Rounder Girl nachzufragen, welche Spuren der Auftritt denn eigentlich bei ihr selbst hinterlassen hat.

dieStandard.at: Tini Kainrath, haben Sie Ihren Auftritt eigentlich bereut?

Tini Kainrath:Nein, überhaupt nicht! Als ich direkt davor war und mir bewusst wurde, dass da jetzt 32.000 Fussball-Fans live zuhören und das Fernsehen auch alles direkt überträgt, ist es mir schon kurz schwergefallen. Da hab ich mir kurz gedacht, ob ich es mir nicht doch nochmals überlegen soll. Aber dann habe ich mir gesagt: "Nein - Du hast das so für Dich entschieden" und bin standhaft geblieben.

dieStandard.at:Wie sind Sie denn eigentlich darauf gekommen, eine "gleichberechtigte" Version der Hymne zu texten?

Tini Kainrath:Zwei befreundete Musiker haben mich auf die Idee gebracht, dass das eigentlich super wäre. Und außerdem habe ich persönlich schon seit meiner Kindheit ein Problem mit dem Original-Text. Ich habe mich schon in der Volksschule gefragt, wieso da keine Töchter vorkommen - das ist ungerecht.

dieStandard.at: Welche Reaktionen gab es denn direkt nach Ihrem Auftritt im Stadion?

Tini Kainrath: Überhaupt keine! Ich habe mir gedacht, dass viele vielleicht auch glaubten, ich hätte mich einfach geirrt. Erst am nächsten Tag, als beim ÖFB die Telefone und E-Mails heiß liefen, hat man mich angerufen. Für diese Unannehmlichkeiten habe ich mich auch entschuldigt – für den Text aber nicht. Seitdem gab es keine Diskussion mehr.

dieStandard.at:Haben Sie persönlich eigentlich irgendwelchen Schaden durch den Auftritt genommen, zum Beispiel in Bezug auf Engagements?

Tini Kainrath: Bis jetzt nicht. Das werde ich erst in nächster Zeit sehen. Mir ist nur zu Ohren gekommen, dass es angeblich eine Beschwerde über meine geplante Anwesenheit bei einem Event gab und man mich jetzt vielleicht von der Liste streichen will. Auf der Straße gab es von den Leuten nur positive oder witzige Reaktionen.

dieStandard.at: Und wie fanden Sie die Reaktionen auf dieStandard.at?

Tini Kainrath: Erst einmal Dankeschön für das "Zuckerl", das ihr mir verliehen habt! Ich habe mir auch die Kritikpunkte in den Postings durchgelesen: Was ich davon annehmen kann ist, dass es stimmt, dass nicht jeder einfach kommen und die Bundeshymne verändern kann. Ich kann aber andererseits auch nicht verstehen, dass die "Töchter" jemanden stören. Auf jeden Fall werde ich weiterhin versuchen, ob der Text nicht vielleicht doch offiziell geändert werden kann – ich habe vor, das als Vorschlag im Parlament einzubringen, zwei Parteien haben mir schon ihre Unterstützung zugesagt. Ich will sicher keine Politikerin werden, aber meine Meinung habe ich immer schon gesagt.

Mit Tini Kainrath sprach Isabella Lechner.

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