"Schlechte Musik schuld an Umsatzrückgang nicht Napster und Co."

26. April 2002, 13:26
49 Postings

Amerikanische Studie sieht Ursachen für die Abnahme der CD-Verkäufe in immer weniger anspruchsvoller Musik und kritischeren Konsumenten

Eine aktuelle amerikanische Studie von Universitätsprofessoren will die wahren Gründe für die sinkenden Umsätze der Musik-Industrie und die rückläufigen Zahlen der CD-Verkäufe gefunden haben. Nach Meinung der Autoren sind nicht P2P-Tauschbörsen wie etwa Napster, KaZaA oder andere schuld an der Misere, sondern die Unternehmen selber, die immer schlechtere Musik auf den Markt bringen.

Durch die Musik-Tauschbörsen - und die Möglichkeit in CDs "Hineinzuhören" - würden Konsumenten viel früher herausfinden, wie schlecht die Qualität der Musikstücke wirklich ist und deshalb dann auch keine CDs im Handel erwerben, so die Studie.

Universitäre Zusammenarbeit

Die Studie "The Internet and Free Music: How Can the Recording Industry Turn This Minefield In Its Favor" wurde von Ram D. Gopal, Sudip Bhattacharjee (beide von der University of Connecticut) und Lawrence Sanders von der State University of New York veröffentlicht. Erscheinen wird diese Studie in den Kommenden Ausgaben der Fachzeitschriften "Communications of the ACM" und "Journal of Organizational Computing and Electronic Commerce".

Kritischere Konsumenten

Die Grundaussage der Studie besagt, dass nicht Raubkopien und P2P-Netzwerke für die sinkenden Verkaufszahlen verantwortlich sind, sondern Konsumenten im Internet-Zeitalter wesentlich kritischer sind als früher. "Früher reichte der Name eines Sängers oder einer Sängerin aus um hohe CD-Verkäufe zu garantieren, doch heute hören sich Konsumenten in die Alben ein und entscheiden erst danach ob sich eine solche Anschaffung lohnt", so der Mitautor Sudip Bhattacharjee, Assistent Professor an der University of Connecticut. Diese Vorgangsweise nennen die Professoren "Sampling" und nicht Datenklau.

One-Hit-Wonder mit Füllstücken

Die Musikindustrie erntet nun die Früchte für eine jahrelange Fehlpolitik, so die Studie weiter. Die Schwemme von CDs die aus so genannten "One-Hit-Wonders" und zweitklassigen Füllstücken bestehen, sorgte zwar für gute Absätze in der Vergangenheit, seit den Tauschbörsen sind diese Zeiten wohl vorbei.

Newcomer profitieren

Als weiteren Nebeneffekt der Tauschbörsen nennt die Studie, dass vor allem Newcomer von dem neuen Umgang mit Musik profitieren. Während Anfang der neunziger Jahre noch 400 Musiker die Charts eines Jahres dominierten, waren es 2000 bereits mehr als 600. Auch dafür zeichnet das Internet laut der Studie verantwortlich, da Musikliebhaber sich zunehmend nicht nur informieren, sondern auch digitale Hörproben herunterladen.

"Vernünftiges Sampling statt juristische Attacken"

Mitautor Bhattacharjee meint weiter: "Da das Online-Sampling durch Highspeed-Anschlüsse bequemer und billiger wird, nutzen immer mehr Web-Nutzer diese Methode". Die Plattenfirmen sollten daher selbst mit vernünftigen Sampling-Angeboten ins Internet einsteigen, anstatt Filesharing-Dienste juristisch zu attackieren." (red)

Share if you care.