Hohe Wahlenthaltung hat Jospin geschadet

22. April 2002, 21:04
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Hitzige Debatten um Neubesetzung des Premiersamtes - Hollande führt Sozialisten in französische Juni-Wahlen

Paris - Die hohe Wahlenthaltung von fast 28 Prozent bei der ersten Runde der Präsidentenwahl in Frankreich hat nach Einschätzung von Meinungsforschern zur Niederlage des sozialistischen Premierministers Lionel Jospin beigetragen. Zahlreiche Jungwähler und traditionelle Linkswähler wie Angestellte und Handwerker hätten sich abgewandt, erläuterte der Politologe und Leiter des Meinungsforschungsinstituts CSA, Roland Cayrol, der Tageszeitung "Le Parisien".

Linke französische Politiker riefen nach dem sensationellen Wahlerfolg des rechtsextremen Jean-Marie Le Pen zur Wiederwahl des konservativen Präsidenten Jacques Chirac auf. Ohne jeden Zweifel müsse man Chirac am 5. Mai wählen, um die extreme Rechte zu stoppen, forderte der sozialistische Senator Henri Weber am Montag.

Unterdessen begannen bei Sozialisten und Konservativen bereits hitzige Debatten über die Neubesetzung des Postens des Premierministers, da beide Lager auf einen Sieg bei den Parlamentswahlen am 9. und 16. Juni hoffen. Jospin hatte nach seiner Niederlage noch am Sonntagabend seinen Rücktritt angekündigt. Chirac hatte in der ersten Runde am Sonntag 19,67 Prozent der Stimmen erhalten, Le Pen 17,02 und der sozialistische Jospin 16,07. Damit sind Chirac und Le Pen in der Stichwahl.

Hollande führt Sozialisten in französische Juni-Wahlen

Nach dem angekündigten Rückzug von Premierminister Lionel Jospin aus der Politik wird Sozialistenchef Francois Hollande seine Partei in die französischen Parlamentswahlen im Juni führen. Das gab Hollande am Montag in Paris bekannt. Der bisherige sozialistische Premierminister Jospin war bei der Präsidentschaftswahl am Sonntag überraschend in der ersten Runde gegen den Rechtsextremisten Jean-Marie Le Pen ausgeschieden. (APA/dpa)

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